Autor: Annette und Stefan

Killing Fields und Opiumfelder – mybeastgoeseasts Reise durch Kambodscha und Laos

Seit Kurzem ist unser zweites Carnet de Passage gültig und wir überqueren die Grenze zum 25. Land auf unserer Reise nach Asien. Laut unseren Informationen und den Angaben im Carnet gilt in Kambodscha das dieses nicht, an der Grenze wird auch nicht danach gefragt, stattdessen aber nach einer  Permit. Wir stellen uns wieder einmal dämlich und warten ab. Der Zollbeamte schlägt vor, mit dem Taxi nach Phnom Penh zu fahren und dort die  Permit zu holen. Jetzt wechseln wir unsere Strategie von dummstellen auf abwehren. 300 km einfacher Weg mit dem Taxi ist völlig ausgeschlossen und wir lehnen kategorisch ab. Wir werden per Telefon mit dem Chef verbunden, auch hier lehnen wir kategorisch ab, er legt dann einfach auf und der Mitarbeiter am Schalter verdrückt sich. Kurz darauf kommt ein Anderer, der dann die Lösung hat, gegen Bezahlung von 1.500 Thai-Bath (~37 Euro) + 100 Bath für den Mann an der Schranke können wir mit einer ‚temporären Genehmigung´ einreisen. Ein Dokument gibt es auch auf Nachfrage nicht, wir bezahlen die 1.600 Baht und nach ca. 1 Stunde ‚Formalitäten‘ sind wir dann in Kambodscha. Über Shinoukville  geht es in die Hauptstadt Phnom Penh, dort sehen wir zum ersten Mal den Mekong, einer der längsten Flüsse Asiens und für uns hatte er immer irgendetwas Geheimnisvolles.

Phnom Penh hat nichts Besonderes zu bieten, etwas südlich davon besuchen wir aber eines der größten und das bekannteste von landesweit über 300 sogenannten Killing Fields, das Choeung Ek Völkermord Gedenkzentrum.

Während für uns Europäer der 08. Mai 1945 das Ende des 2. Weltkrieges markiert, war der Krieg weder für Laos noch für Kambodscha zu Ende. Beide Länder standen vor dem Krieg unter französischer Verwaltung und waren nach der Niederlage Frankreichs von Japan besetzt. Nach der Kapitulation von Japan besetzten zuerst die Engländer die beiden Länder und übergaben diese dann wieder an Frankreich, das durch den Krieg in Europa geschwächt war und zuerst wieder Kontingente aufbauen mussten, es kämpften auch viele deutsche, ehemalige  SS- und Wehrmachtsangehörige weiter mit, nun in der Fremdenlegion auf der Seite Frankreichs. Es gab Widerstandsbewegungen und kommunistische Einheiten, die für die Freiheit ihrer Länder kämpften, Frankreich entließ nach schweren Niederlagen die Länder 1953 und 1954 in ihre Unabhängigkeit, Vietnam wurde in Nord- und Südvietnam geteilt, damit war der 1. Indochinakrieg beendet, auf den aber bald der 2. folgen sollte, der bei uns auch als Vietnamkrieg bekannt ist und bis 1975 andauerte.

Während des Vietnamkrieges bombardierte die US Luftwaffe Laos derart heftig, dass es bis heute als das meist bombardierte Land der Welt gilt. Laut MAG wurden zwischen 1964 und 1973 mehr als 2.000.000.000 kg Bomben abgeworfen. (Ohne Kriegserklärung und ohne einen Cent Reparationszahlung bis zum heutigen Tage) Geschätzte 30% davon detonierten nicht und stellen als Blindgänger bis heute eine erhebliche Gefahr für die lokale Bevölkerung dar. Sie verhindern das Anbauen von ausreichend Nahrung und sind Gefahrstellen auf Schulwegen und Wegen zu Wasserstellen.

Laos ist das einzige Land in Südostasien, das keinen Zugang zum Meer hat und somit auch keine eigene Fischfangflotte besitzt, sodass sämtliche Seefische oder Meeresfrüchte importiert werden müssen. Oft können sich die Leute dies jedoch nicht leisten, sodass sie auf das angewiesen sind, was ihnen ihre Umgebung bietet. Aufgrund der massiven Abholzung des tropischen Urwaldes ist auch leider da, das Nahrungsangebot merklich reduziert worden. Auf den nun gerodeten Waldflächen werden Gemüse und Obst angebaut.

Nach dem Vietnamkrieg kehrte zumindest in Laos Ruhe ein, in Kambodscha jedoch entflammte ein Bürgerkrieg und die ‚Roten Khmer‘, eine kommunistische Gruppierung unter der Führung von Pol Pot, gelang es an die Macht zu kommen und letztendlich auch die Hauptstadt Phnom Penh einzunehmen. Von 1975 – 1979 war Pol Pot Diktator in Kambodscha und bis 1997 Bruder Nr. 1 der Roten Khmer.

Pol Pot wollte in Kambodscha einen kommunistischen Bauernstaat errichten, das Geld wurde abgeschafft und jeder, der nur intellektuell aussah oder eine Brille trug konnte verhaftet und getötet werden. Wer gebildet, studiert war oder eine Fremdsprache konnte, galt als Staatsfeind und wurde getötet. So überlebten die Zeit unter Pol Pot in Kambodscha nur ca. 50 Ärzte und etwa 200 Lehrer, von zuvor geschätzten 20.000.

Die Staatsfeinde wurden zu Lagern transportiert und in der Regel in der darauffolgenden Nacht getötet. Damit die anderen Gefangenen die Schreie nicht hören konnten, schepperten aus diversen Lautsprechern kommunistische Lieder in hoher Phonstärke. Die Ermordung der Gefangenen erfolgte mit den primitivsten Mitteln, die man sich nur vorstellen kann. Mit Bambusstöcken und Geräten für die Feldarbeit wurden die Menschen erschlagen, oder mit den scharfkantigen Palmblättern wurden ihnen die Kehlen aufgeschnitten, Babys und Kleinkinder wurden einfach an einen Baum geschlagen, bis sie tot waren. Die Lager bildeten auch gleichzeitig die Grabstätten, in Massengräbern wurden die toten Körper verscharrt.

Das Killing Field Choeung Ek ist das bekannteste in Kambodscha und beherbergt ein Völkermord Gedenkzentrum. Wir verbringen eine ganze Weile dort und sind tief ergriffen, in der Regenzeit werden immer wieder Knochen und Kleidungsstücke an die Erdoberfläche gespült. Pol Pot hat in 4 Jahren über ein Viertel seines eigenen Volkes vernichtet. Die UN spricht später von einem Autogenozid und einem Völkermord an der muslimischen Minderheit der Cham. Pol Pot wurde durch den Einmarsch von vietnamesischen Truppen in die Hauptstadt Phnom Penh und der Errichtung  einer neuen Regierung gestürzt; was für uns völlig unverständlich war, war die Tatsache, dass auch die deutsche Bundesregierung bis in die späten 1980er Jahre die Regierung Pol Pot, als die legitime Regierung Kambodschas ansah und dass nachweislich auch deutsche Waffen (MBB) weiterhin an Pol Pot geliefert wurden, um weiter seinen Guerillakrieg gegen die neue Regierung zu führen.

In Kambodscha ist Angkor Wat natürlich die Sehenswürdigkeit Nr. 1 und dorthin führt unser Weg als nächstes. Wir entscheiden uns für den Weg südlich des Tonle Sap Sees und in Kampong Chhnang finden wir ein schönes Plätzchen, wo wir einige Tag bleiben. Annette kauft auf dem Markt ein paar Sachen und Obst ein, auf dem Heimweg wird sie von einem Affen gesichtet, der wohl das Obst in der transparenten Plastiktüte gesehen hat. Er verfolgt sie, Annette erhöht das Tempo, aber er lässt sich nicht abschütteln, eine Einheimische auf einem Moped hält an und gestikuliert etwas. Annette fasst es so auf, dass sie dem Affen eine Banane zuwerfen und dann schnell weglaufen soll, was auch funktionierte, allerdings kam der Affe nach, als er die Banane aufgelesen hatte. Aber Annette war schon zu weit weg. Alles gut gegangen, nur eine Banane opfern müssen.

Nach einem weiteren Tag Fahrt erreichen wir dann Siem Reap, nördlich des Ufers des Tonle Sap Sees.

Dort haben wir uns mit Vera und Edgar verabredet, die beiden Holländer hatten wir vor ca. einem halben Jahr in Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans getroffen. Die beiden sind dann von dort über die Mongolei und China nach Laos und Kambodscha gefahren, während wir die viel weiter südlich gelegene Route gewählt haben.

In Bischkek feierten wir zusammen den 40. Geburtstag von Edgar und in Siem Reap hatten wir unseren 18. Hochzeitstag. Zur Feier des Tages gehen wir italienisch Essen und statt Angkor Bier gibt es heute Hauswein zur Pizza.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, um 05.00 Uhr sind wir am Ticketschalter und kaufen uns einen Tagespass für Angkor Wat. Zum Sonnenaufgang versammeln wir uns mit hunderten anderen Touristen vor dem Tempel an einem kleinen Weiher. Die ganze Tempelanlage um Angkor Wat gilt als die größte religiöse Anlage weltweit und das Bauwerk ist eines der Bekanntesten, vielleicht vergleichbar mit Machu Picchu oder Petra.

Einige Tempel waren auch schon Filmkulisse, z. B. für India Jones oder Tomb Raider. Die Zahl der Touristen am Angkor Wat schreckt uns ein bisschen ab und so ziehen wir es vor, zuerst zum Phrom Wat, dem Tempel aus Tomb Raider zu gehen. Für uns ist es einfach sich zu bewegen, wir können an alle Tempel mit dem Beast fahren und schon vor 07.00 Uhr sind wir am Phrom Wat. Wir sind alleine, unglaublich, und das morgendliche Sonnenlicht verleiht der ganzen Szenerie etwas Mystisches.  Nach einer großen Runde durch die Anlage sind wir hungrig und wollen frühstücken, in Kambodscha ist der US$ Zweitwährung und wie es aussieht gibt es keine Cent, alles hat einen Mindestpreis von ONE Dollar. An einer Bude feilschen wir um den Frühstückspreis und kriegen dann auch einen Discount von 50%, der „Kaffee Kambodscha“ ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und wird zukünftig vermieden, falls möglich.

Wir verbringen den ganzen Tag in dieser gigantischen Anlage, besuchen noch die Tempel von Angkor Thom, Baphuon, Bayon, die Elefantenterrassen und zum Schluss nochmal Angkor Wat. Am Abend fallen wir todmüde und total erledigt in das Bett.

Wie auch die Tempel von Angkor Wat auf der Liste der UNESCO stehen, so steht dort auch der Tempel von Preah Vihear drauf. Der Temple befand sich lange Zeit auf dem Territorium Thailands bis er 1907 an das Protektorat Frankreich abgegeben wurde. 1959 besetzte thailändisches Militär den Tempel wieder, der damalige Präsident Kambodschas brachte den Fall vor den internationalen Gerichtshof und Preah Vihear wurde Kambodscha zugesprochen. Preah Vihear wurde 2008 als 2. Weltkulturerbe in Kambodscha in die Liste der UNESCO aufgenommen und als dieses vollzogen wurde, entsandte Thailand erneut Truppen und besetzte den Tempel. Es gab blutige Kämpfe mit Toten und Verletzten. 2009 brannte der lokale Markt am Fuße des Tempels nach einem Feuergefecht nieder und 2011 verlangte der internationale Gerichtshof die Einrichtung einer entmilitarisierten Zone, seitdem ist es in der Region ruhiger geworden. Der Tempel war bis vor kurzem auf kambodschanischer Seite auch nur sehr schwer zu erreichen, seit kurzem führt jedoch eine neue Straße dorthin, die Auffahrt zum Tempel ist allerdings äußerst steil und wir durften nur mit dem eigenen Auto hochfahren, nachdem sie sicher waren, dass wir ein 4×4 Fahrzeug besitzen.

In dieses unwegsame Gelände hatte sich auch Pol Pot nach dem Sturz seines Regimes zurückgezogen und dort lebte er bis zur Auflösung der roten Khmer und von dort wurden immer wieder Guerillaaktionen durchgeführt.

Wir fahren von Siem Reap nach Norden und verlassen die N6, schlagartig verändert sich das Straßenbild, Ochsenwagen, Bauern und kleine Märkte mit Obst, Gemüse und Fleisch. Wir kaufen Obst und fahren bis zum Infocenter, wo man auch das Eintrittsticket kaufen muss. Wir fragen, ob wir heute ein Ticket für morgen kaufen können, nein, das geht leider nicht.

Wir suchen uns einen schönen Platz zum Übernachten an einem See, als wir alles aufgebaut haben und es dunkel wird, kommt die Touristpolice. Wir könnten hier nicht stehen bleiben, es sei zu gefährlich, wir verstehen nicht so recht ob die Hauptgefahr vom Thai oder Tiger ausgeht. Der Polizist wartet schön, bis wir alles zusammengepackt haben und nimmt uns mit auf das Gelände der Polizei, dort können wir campen, es gibt Duschen und WC und seine Frau bringt uns auch noch Fried Rice mit Hühnchen. Hier gilt halt noch der alte Spruch „Die Polizei, dein Freund und Helfer“.

Am Morgen kaufen wir die Tickets für je 10 US$ und fahren hinauf, vor dem letzten Anstieg fahren wir langsam um eine scharfe Kurve und dann geht es tierisch bergauf, das Beast muss seine letzten Kräfte mobilisieren, dass wir oben ankommen, einige Einheimische am Straßenrand nicken uns anerkennend zu.

Der Tempel liegt auf etwa 600 m und von dort aus hat man einen fantastischen Blick nach Kambodscha und Thailand. Im Vergleich zu Angkor Wat ist es hier wie ausgestorben, wir treffen nur auf ganz wenige Besucher.  Das Wetter ist herrlich und wir bleiben eine ganze Weile dort oben und genießen die Sonne und die Ruhe und die Aussicht.

Heute wollen wir aber noch unser 26. Land  erreichen und nach Laos einreisen und so machen wir uns auf den Weg, ein Stück zurück und dann nach Nordosten am Mekong entlang bis zur Grenze zwischen Kambodscha und Laos.

Bei der Ausreise möchte der Zoll die Permit sehen, wir stellen uns dumm und zeigen ihm das Carnet, sagen ihm, dass bei der Einreise keiner das Carnet  wollte und wir keine Permit haben, leicht genervt lässt er uns weiterfahren. Beim laotischen Zoll kaufen wir ein Visa on Arrival für 30 US$, zahlen diverse Dollar Schmiergeld, Verzeihung Bearbeitungs- und Stempelgebühren,  lassen das Carnet abstempeln und nach kurzer Zeit sind wir in Laos. Fahrzeugkontrollen gibt es schon seit Indien nicht mehr.

An diesem Tag fahren wir noch ca. 10 km und campen am Mekong. Hier gibt es die 4.000 Islands im Mekong und wir wollen auf die Insel Don Det, auf dem Weg dorthin halten wir an den berüchtigten Mekong Fällen an, hier heißt es „The pearl of Mekong“ Khone Phapheng Waterfalls. In einem Seitenarm können wir den berühmten Mekong Fischern bei der Arbeit zusehen. Der mächtige Strom hat hier eine Breite von sagenhaften 14 Kilometern.

Die Mekong Fälle bilden ein für Schiffe unüberwindbares Hindernis, die Franzosen suchten eine Wasserstraße nach China und planten die Fälle zu sprengen, was aber am Widerstand der Bevölkerung scheiterte. Und so fanden die französischen Pioniere eine andere Lösung. Sie bauten Verladestationen, vor und nach den Fällen, an denen  die Dampfschiffe aus dem Wasser gezogen, bzw. zu Wasser gelassen wurden und die Schiffe den Weg über die Fälle per Eisenbahn zurücklegten.

Hierfür wurden ca. 16 Kilometer Eisenbahnschienen verlegt und eine Brücke zwischen Don Det und Don Khong gebaut.

Wir parken unser Auto in Naka Sang auf einem bewachten Parkplatz und fahren mit einer kleinen Fähre auf die Insel Don Det, die Insel erkunden wir per Fahrrad und fahren zur südlichen Verladestation auf Don Khong. Die Inseln sind bei Backpackern beliebt, für unseren Geschmack gibt es wenig zu sehen und alles ist ziemlich teuer. Sie versuchten sogar von uns „Inseleintritt“ an der alten Eisenbahnbrücke nach Don Khong zu kassieren.

Einmal beobachten wir, wie die Schule aus ist und die Kinder von einer anderen Insel sich in die Boote schwingen. 4 Jungs und 4 Mädchen jeweils in einem Boot, es gibt ein Wettrennen, die Jungs legen sich mächtig ins Zeug und rudern synchron und schnell. Einer gibt mit einem lauten „Hooow – Hooow – Hooow“ den Takt vor. Leider läuft das Boot ein bisschen voll Wasser und das muss ausgeschöpft werden, in der Zwischenzeit überholen die Mädchen, die still und beständig rudern. Die Jungs holen wieder auf und machen kurz vor Erreichen der anderen Insel eine Pause, wahrscheinlich fehlt die Kraft, sie lachen und machen Späße, beide Boote erreichen gleichzeitig das Ufer, werden von den Kindern fachmännisch festgemacht und die Ruder verstaut, dann geht’s nach Hause. Hier können die Kinder wahrscheinlich zuerst rudern und dann laufen. Keine Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen, keine Schwimmwesten, und herrlich zum  Zuschauen.

Zurück auf dem Festland fahren wir weiter nach Pakse, ein beschaulicher Ort am Mekong.  Wir finden ein kleines Cafe mit einem kleinen, eisernen Eifelturm davor, ‚Cafe Parisienne‘. Wir sitzen im Garten,  trinken guten Kaffee und essen ein Stück Torte, die Preise sind allerdings wie auf der Chaussee Elysee. Als wir so dasitzen, fährt ein weißer Toyota vorbei, am Heck ein violettes Dreieck. Emiel & Claire! Ich springe auf und renne auf der Straße dem Auto nach, ich pfeife, nutzt aber nichts, doch nach ein paar Metern bleiben sie stehen. Als ich das Auto erreiche, klopfe ich an die Scheibe und schaue in zwei freudig verdutzte Gesichter. Sie fuhren hier so langsam entlang, weil sie auf der Suche nach einer Kneipe mit WIFI waren.

Seit wir uns nach Myanmar getrennt hatten, fuhren die beiden in den Norden Thailands und von dort aus nach Laos und wir kamen nun von Süden. Wie klein ist die Welt. Wir beschließen zusammen auf das Bolaven Plateau zu fahren und campieren am Sekatamtok Wasserfall. Seit einiger Zeit haben die beiden einen kleinen Welpen dabei, den sie alleine an einem Wasserfall gefunden hatten.

Am Abend entzünden wir ein großes Campfeuer und tauschen die neusten Geschichten aus. Schön, dass wir die beiden noch einmal getroffen haben und es sollte nicht das letzte Mal sein.

Wir campen erneut an einem Wasserfall, Tad Lo, allerdings zu nah am Wasser, die lokale Bevölkerung kommt im Minutentakt um sich oder Wäsche zu waschen. Sie scheinen einen Zeitplan zu haben, wer, wann kommen darf. Der Fluss ist hier die Lebensader.

In Thakhek treffen wir zwei deutsche Frauen, die zum Klettern hier sind und als sie unser Auto sehen, sagt die eine, dass im Klettercamp Green Climbers Garden, ca. 15 Km östlich ein LKW auch mit LÖ-Kennzeichen stehen würde. Leider treffen wir die Besatzung nicht an und das Klettercamp ist ausgbucht, Fia Weiss, eine Mitbesitzerin aus Augsburg schickt uns freundlich aber bestimmt weiter. Mittlerweile sind wir in einer der größten Karstlandschaften Asiens, im Khammouane Gebiet erheben sich zahlreiche Felskegel. Hier erkunden wir auf eigene Faust die Höhle Tham Xieng Liap, die  Höhle Tham Pha Pa mit zahlreichen Buddhafiguren, die erst 2004 durch einen Bauern, der auf der Suche nach Fledermäusen, das ist hier eine lokale Spezialität, war, entdeckt  wurde, verpassen wir leider.

Die Gegend wird immer geheimnisvoller, tote Bäume ragen überall aus dem Wasser, mittlerweile sind wir im Nam Theun Gebiet, das ist ein riesiges Überschwemmungsgebiet, das zur Gewinnung von Strom aus Wasserkraft geflutet wurde.

Am 24. Dezember, Heiligabend  erreichen wir am frühen Nachmittag Paksane, das katholische Zentrum von Laos. Am Abend besuchen wir den Gottesdienst, der Ablauf der Messe ist komplett anders, wir erkennen nichts, auch kein Gebet oder Lied kommt uns nur annähernd bekannt vor.

Ein weiteres noch nicht entschlüsseltes Geheimnis liegt vor uns, nahe dem Ort Phonsavan befindet sich das größte Feld der tönernen Krüge. In diesem Plain of Jars befinden sich über 300 Krüge aus hartem Sandstein, zwischen 1 und 2,50 m hoch. Die Angaben zum Alter schwanken zwischen 2.000 und 10.000 Jahren, woher der Stein kommt kann niemand erklären, in der Nähe gibt es keine Vorkommen dieses Gesteins. Der Legende nach handelt es sich um Trinkgefäße von Riesen oder den Göttern. Es gibt über ein gutes Dutzend von diesen Feldern, aber 10 davon sind nicht zugänglich, da das Gelände völlig vermint ist. Die Kriegsspuren sind noch überall sichtbar, in Khoun besuchten wir den Phiawat Tempel, der im Krieg zerschossen wurde. Die Leute nehmen das Ganze mit einer gewissen Portion Galgenhumor und so frühstücken wir im ‚Craters‘ zwischen Bomben und Raketen, der Wandschmuck besteht aus Handgranaten, Feldflaschen und Stahlhelmen.

In Luang Prabang campen wir im Garten des Guesthouses Suan Phao und hier muss ich mal nach dem rechten Hinterrad schauen, bei meinen letzten Routinechecks des Reifendrucks war dort immer etwas weniger Luft drin. Ich schraube das Rad ab und entdecke einen Nagel, der im Reifen steckt. Nach erfolgreicher Reparatur begutachte ich erneut den Reifen und entdecke einen zweiten Fremdkörper, ebenfalls einen Nagel oder Eisenstift und so repariere ich erneut. Die Reifen haben jetzt über 60.000 km drauf und langsam wird es Zeit für Neue. Das Rad kommt wieder an die Achse und weiter geht die Fahrt nach Luang Namtha, hier geraten wir in die Wildnis, ein Radfahrer hatte uns gesagt, dass die Straße neu sei, auf unserer Karte ist sie noch gestrichelt eingezeichnet. Wir fahren durch den letzten Dschungel, kreuzen Flüsse und plötzlich liegt ein riesiger Baumstamm auf dem Track. Zwei Männer sind dabei mit einem „Kranwagen“ das Teil zu bergen. Ich nehme an die Männer waren Waldarbeiter, die im Tropenholzgeschäft tätig sind.

Überall können wir die Folgen des Tropenholzabbaus und der Brandrodung sehen, abrutschende Berghänge sind die Folgen, immer wieder sind Straßen nicht passierbar, da Erdmassen diese blockieren.

In Luang Namtha treffen wir auf dem Nachtmarkt eine Frau aus Offenburg, die ein Foto vom Beast für ihre Freundin aus Lörrach machen möchte, außerdem noch eine Polin, die uns ein wenig von Chiang Rai erzählt und nach ihren Erzählungen beschließen wir dort auch einmal hinzufahren.

Das Städtchen ist recht beschaulich, ist aber gerade Gastgeber des Asean Flowers Fair 2016 und Chiang Rai Flower Festival und richtet sich gerade für den Silvester her. Am Glockenturm der Stadt werden Bühnen und Stände aufgebaut, wir beschließen hier Silvester zu feiern und mieten ein Zimmer im Jitaree Guest House.

Dort treffen wir  Eva & Hermann aus Marburg, die bereits seit 3 Monaten mit ihren Rädern in Thailand unterwegs sind. Mit ihnen verbringen wir Silvester und in Chiang Rai besuchen wir noch den White Temple, das „Black House“ des Künstlers Thawan Duchanee und ganz im Norden Thailands das „Goldene Dreieck“. Hier treffen sich die Länder Myanmar, Thailand und Laos und hier wurde in der Vergangenheit das meiste Opium der Welt angebaut. Die daraus erzielten Gewinne wurden in die Guerillakriege in der hiesigen Region investiert.

Von Chiang Rai aus fahren wir wieder nach Süden mit dem Ziel Bangkok, von unserem Freund Gary, Reifenhändler in Delhi, erhielten wir die Adresse eines guten Offroad Reifenhändlers in Bangkok. Bei VVP 4×4 fragen wir nach unseren Reifen, wir wollen die gleichen wiederhaben, denn mit den BFGoodrich AT waren wir sehr zufrieden. Zuerst heißt es, dass die Größe nicht verfügbar ist und es wird geprüft wie lange die Lieferung dauert. Als ich so im Laden herumstöbere, finde ich unsere Reifen und zeige sie Veerasak, dem Inhaber. Nach kurzer Prüfung kommt heraus, dass er noch 4 Stück hat und diese werden noch am Nachmittag montiert, allerdings dauert das ganz schön lange und so kommen wir leider zu spät zu unserer Verabredung in Bangkok mit Emiel und Claire. Dafür verbringen wir tags drauf einen schönen gemeinsamen Tag miteinander, schauen im Kino Star Wars und gehen am Abend zusammen auf dem Nachtmarkt essen. Es wird das letzte Mal sein, dass wir ‚This life outside‘ auf unserer Reise getroffen haben, die beiden haben mit Vera und Edgar einen Container gechartert und sind auf dem Weg nach Australien.

Für uns steht wieder einmal Urlaub an, so hoffen wir zumindest. Die Eltern von Stefan kommen zu Besuch und wir haben ein schönes Programm zusammengestellt. Morgen Mittag holen wir sie am Flughafen in Bangkok ab.

 

Findet Nemo

Als Urlaubsziel haben wir uns die Insel Ko Chang im äußersten Südosten an der Grenze zu Kambodscha ausgeguckt. Doch bis dorthin sind es noch einige Kilometer und auf dem Weg dorthin besuchen wir zuerst die antike Stadt Sukothai, gegründet 1238 aus einer alten Khmer-Siedlung.  Sukhothai wurde wenig später für 120 Jahre Hauptstadt des gleichnamigen erstmals unabhängigen Königreiches, das Erste der Thai im thailändischen Tiefland.

Dort besuchen wir den Historical Park, Weltkulturerbe der UNESCO, in dem wir auch einen Platz zum Übernachten finden. Der weitere Weg führt uns in die historische Stadt Ayutthaya, ebenso Hauptstadt eines alten Königreiches, das in Europa zur damaligen Zeit als Siam bekannt war und auch UNESCO Weltkurlturerbe ist. Ayutthaya war ein mächtiges Königreich, das 1431 auch die östlich gelegene Hauptstadt Angkor des großen Khmerreiches einnahm und im Jahre 1438 das Königreich Sukothai eingliederte.
1767 wurde Ayutthaya von den Burmanen, nach langer Belagerung gestürmt und zerstört,  vor der riesigen Buddha-Statue des Phra Sri Sanphet wurden tagelang Feuer geschürt, um das Gold zu schmelzen, aus dem die Figur hergestellt war.

Auch heute ist Thailand ein Königreich und die Hauptstadt ist seit 1782 Bangkok, heute leben ca. 9 Millionen Menschen in der Stadt und sie war 2013 mit mehr als 17 Millionen ausländischen Besuchern, die meistbesuchte Stadt der Welt, bevor sie 2014 wieder von London abgelöst wurde, seitdem rangiert Bangkok auf dem 2. Platz.

Wir sind gespannt auf diese Stadt, kennen wir doch die Bilder von Smog, von tausenden Mopeds, Polizisten mit Atemmasken und endlosen Staus. Bereits bei der Einreise nach Thailand waren wir sehr positiv überrascht, gutes Mobilfunknetz, Supermärkte, sehr gute Straßen, meist 4-spurig, schnelles Internet und moderne Tankstellen. Es gibt u. a. ESSO und Shell, was schimpfen wir doch in Europa so oft auf die Ölmultis, doch hier sind wir froh, diese Tankstellen zu sehen. Was kam doch auf der bisherigen Reise schon alles aus unserem Auspuff heraus, schwarzbrauner, ekelhafter Schaum, beißender Gestank und dichte Rauchschwaden in unterschiedlichen Farben. Das Beast, so nehmen wir stark an, ist glücklich wieder einmal Norm-Kraftstoff zu tanken.

Und auch vom Verkehr in Bangkok sind wir angenehm überrascht. Gut, er ist dicht und es gibt, vor allem in der Rushhour Staus, aber die Menschen in ihren Autos sind geduldig, sie beachten die Regeln und keiner hupt, alles sehr relaxt, das gefällt uns. Wir steuern das Hotel Penpark Place an, dort, so haben wir gehört, können Overlander im Hof campieren. Für 200 Bath pro Person, umgerechnet 5 Euro, incl. Strom, WC, Dusche ist das für Bangkok ein akzeptabler Preis. Für 20 Baht (~ 0,50 Euro) können wir eine Maschine Wäsche waschen, Annette nutzt die Gunst der Stunde und wäscht noch das Innenzelt unseres Dachzeltes. Am Abend des zweiten Tages treffen wir Ramona und Sandra aus unserem Wiesental im schönen Schwarzwald. Sie haben das Kennzeichen gesehen und sprechen uns an, Sandra aus Mambach arbeitet bei einer Bank in Schopfheim und wenn sie mal einen Augenblick Zeit hat, kann sie aus ihrem Büro auf den Marktplatz schauen. Und so sagt sie zu uns, dass sie doch erst kürzlich unser Auto auf dem Marktplatz gesehen hätte. Das muss länger als 14 Monate her sein. Wir gehen noch zusammen was essen, es ist schön wieder einmal alemannisch reden zu können. Ramona und Sandra sind mit dem Rucksack unterwegs und auch sie machen einen Ausflug nach Ayutthaya und später fliegen sie in den Süden Richtung Pukhet.

Einen Tag später treffen wir die Daytrippers wieder, Penpark Place entwickelt sich für uns zu einem richtigen Treffpunkt. Raphael und Isabela kommen gerade aus Vietnam zurück und wir verbringen auch noch den ganzen nächsten Tag mit ihnen zusammen. Sie erzählen uns von ihren weiteren Reiseplänen, dass sie ihren Landrover im Januar oder Februar nach Südafrika verschiffen wollen.

Tagsdrauf fahren wir nun die letzte Etappe bis Ko Chang, wir setzen mit der Fähre über und fahren auf der Insel am Weststrand Richtung Süden bis zum Lonley Beach. Dort können wir umsonst bei Floris und Mareijke stehen, zwei ehemalige Afrika-Overlander aus den Niederlanden, die seit 4 Jahren hier auf der Insel die Bungalow Siedlung Oasis betreiben.

Wir bleiben 9 Tage, baden, waschen Wäsche und das Auto, machen einen Bootsausflug mit Schnorcheln und Angeln bei Mr. Khai (sehr empfehlenswert), leihen bei Mama einen Motorroller und fahren die Insel ab, nach über einem Jahr 4×4 sind wir die Zweiräder wohl nicht mehr gewohnt und leider legen wir uns damit auf den Asphalt, außer ein paar Abschürfungen an den Beinen und am Roller geht es glimpflich aus. Auf der weiteren Fahrt wollen wir noch einen Abstecher zum ‚tropical beach‘ machen, als uns ein anderes Pärchen auf einem Roller überholt, der Weg ist bereits sehr holprig und sandig und in der nächsten Kurve sehen wir, wie der Roller der beiden zuerst zu schlingern beginnt und dann die Zwei in hohem Bogen abwirft. Den Beiden hat es den Lenker im tiefen Sand quergestellt und dann sind sie gestürzt. Wir halten an, es ist aber glücklicherweise nichts passiert.

In den nächsten Tagen bemerken wir, dass auffällig viele Touristen Pflaster und Verbände an Armen und Beinen tragen und jetzt wird uns auch klar, warum uns die Polizei auf der Insel anhielt und uns eindringlich darum bat, langsam zu fahren. Unerfahrene Touristen auf schnellen Rollern auf kurvigen Straßen, das kann eine gefährliche Mischung sein.

Abends bummeln wir durch den Ort Bailan (Lonley Beach) und lassen die Atmosphäre auf uns wirken, dutzende Tatoostudios, Bars, Restaurants und Kneipen. Es ist für jeden etwas dabei. In einer kleinen Bar trinken wir Mojito und der Wirt erzählt uns, dass er 15 Jahre in Nürnberg gelebt hat, sein deutsch ist jedoch noch schlechter als unser englisch. Neben der Bar hat er sein Tatoostudio, seine Spezialität scheint aber der Mushroom-Cocktail zu sein, den er mit Magic Mushrooms serviert, einigen Kunden verkauft er auch mal schnell einige Gramm Weed. Der Mojito jedenfalls war lecker und mit 70 Baht, sagenhaft günstig.

Am Strand findet zu der Zeit eine Fullmoon-Party statt, bis Mitternacht ist Happy Hour und alle schon sehr betrunken, eine Asiatin möchte noch unbedingt tanzen, sie benötigt allerdings mindestens zwei Helferinnen, denn die Anziehungskraft des Mondes ist in dieser Nacht besonders groß und sie wird ständig nach links gezogen, aber die beiden Freundinnen halten sie so halbwegs in der Mitte. Die Musikrichtung und –lautstärke ist allerdings für uns etwas zu heftig, oder wir sind für solcherlei Feierlichkeiten schon zu alt, weshalb wir uns dann schon bald wieder vom Acker machen.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und nach 9 Tagen auf Ko Chang beschließen wir einen Abstecher über Kambodscha und Laos zu machen und im Nordosten wieder in Thailand einzureisen. In Delhi hatten wir uns deshalb schon mal Visa mit ‚double entry‘ ausstellen lassen.

Die Grenze nach Kambodscha ist nur einen Katzensprung entfernt. Doch davon wollen wir euch in Kürze in einem anderen Blog berichten.

Birma, Burma, Myanmar

Nachdem wir den indischen Subkontinent erfolgreich von West nach Ost durchquert haben, erreichen wir nun Südostasien, so nennt man die Region östlich von Indien und südlich von China und das erste Land in dieser Region ist für uns nun Myanmar, so heißt das Land seit 1989 offiziell, nachdem es vorher Birma oder Burma hieß. Das Land wird seit 1962 von verschiedenen Militärregierungen geführt und hatte sich in der Vergangenheit nach außen hin neutral verhalten und sich stark abgeschottet. So blieb es von den Auswirkungen der heftigen indochinesischen Kriege verschont, jedoch gab es im Inneren des Landes heftige ethnische Konflikte und Auseinandersetzungen mit Drogenbaronen, das Land verarmte und es kam zu gewalttätigen Protesten, die ebenso gewaltsam niedergeschlagen wurden. Zwangs- und Kinderarbeit, Folter, Zwangsräumungen von Dörfern, Verletzung von Menschenrechten und Einsatz von Kindersoldaten wurden vom Internationalen Roten Kreuz immer wieder öffentlich angeprangert.

So verwunderte es uns überhaupt nicht, dass wir als Overlander, die das Land mit dem eigenen Fahrzeug bereisen möchten, einen Guide und einen Offiziellen der Regierung als Begleitung vorgeschrieben bekommen.

Seit dem Jahr 2010 ist ein Demokratisierungsprozess im Gange und während unseres Besuchs in Myanmar findet unter Beobachtung der EU eine Wahl statt, die die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi deutlich gewinnt. Sie hatte bereits 1990 eine Wahl gewonnen, danach ignorierte jedoch die Militärregierung das Ergebnis und stellte Aung San Suu Kyi unter Hausarrest.

Die Menschen waren nach dieser Wahl so euphorisch, dass einige Gäste in einer Kneipe unsere Getränkerechnung  übernahmen. Wir hoffen für die Menschen in Myanmar, dass sich ihre Träume erfüllen mögen und die Aufbruchsstimmung lange anhält.

Bereits in New Delhi hatten wir uns die Visa für Myanmar besorgt und um die Kosten für den Guide und die Genehmigungen zu reduzieren, hatten wir im Internet nach anderen Reisenden gesucht. Auf unsere Anzeige in ‚overland-to-asia‘ hatten sich Claire und Emiel gemeldet und später fanden wir noch Susi und Werner. Nach einigem Hin und Her stießen dann noch 3 australische Motorräder zu uns und obwohl wir nun 6 Fahrzeuge waren, bezahlten wir immer noch 800 US$ pro Person für 14 Tage Myanmar, Kosten für Unterkunft, Treibstoff und Verpflegung kommen jedoch noch hinzu.

So wurde nun unsere Gruppe, bestehend aus Werners Sprinter, Emiels Toyota, den 3 australischen Motorrädern und unserem Beast, von einem Minivan begleitet, in dem Vingh, ein Mitarbeiter der Reiseagentur Burma Senses, der Mitarbeiter der Regierung, Nyi, der Guide und Joe, der Fahrer saßen.

Dieses Quartett brachte uns erfolgreich von Indien über die Grenze nach Myanmar und an diesem Tag hatten wir auch noch eine gehörige Strecke zu fahren, sodass wir erst gegen 18.30 Uhr unser erstes Etappenziel Gangaw erreichten.  Gegen 17 Uhr begann es bereits zu dämmern und keiner der Reisegruppe fährt gerne bei Dunkelheit, da dieses sehr gefährlich ist, denn die Straßen sind schlecht und auf diesen sind viele Menschen und schlecht beleuchtete Fahrzeuge unterwegs.

So kam es am Abend schon zu einem kleinen Disput, als Ard, ein australischer Motorradfahrer dem Guide lautstark seinen Unmut mitteilte, und ständig das f***-Wort benutze. Heute ist der erste Tag und Nyi, der Guide tat sein Bestes, das konnte heute jeder sehen, also bat ich Ard darum, seine Wortwahl zu ändern und doch etwas höflicher zu sein. Daraufhin verließ er wütend die Gruppe und Maik, sein 19-jähriger Sohn folgte ihm.

Die beiden sind schon seit 3 Jahren auf dem Motorrad in der Welt unterwegs, aber seit einigen Wochen hat Ards Frau die beiden verlassen, vielleicht steckt das noch in ihm drin.

Wir drei mit den Autos schlafen die ganzen 14 Tage in den Dachzelten, bzw. im Sprinter, die Biker nehmen sich immer ein Zimmer.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf und sind bereits um 07.00 Uhr auf der Straße. Wir haben in den 14 Tagen ein strenges Programm, ca. 3.000 km bis zur thailändischen Grenze und jede Menge Sightseeing. Heute fahren wir bis Mandalay, der letzten Hauptstadt des alten birmanischen Königreichs und der zweitgrößten Stadt Myanmars, erreichen diese aber auch erst wieder spät, so gegen 19.30 Uhr.

Mandalay muss etwas Magisches haben, viele Musiker haben Lieder über diese Stadt geschrieben und gesungen, u. a. auch Frank Sinatra, Robbie Williams, Midnight Oil, Electric Light Orchestra, The Eagles, Elton John mit Leon Russel und Erdmöbel. Am Abend stand der Sonnenuntergang auf der längsten und ältesten Teakholzbrücke der Welt auf dem Programm, leider verpassen wir diesen, denn als wir eintreffen ist es bereits Nacht.

Am Morgen soll es wieder früh weitergehen, aber die Biker streiken. Karen, gebürtige Schottin und jetzt Australierin ist mit ihrem Mann Vince auf einer BMW auf dem Weg von Großbritannien nach Australien und macht nun gewaltig Stress. Sie weigert sich partout weiterzufahren und verlangt eine schriftliche Bestätigung des Managements von Burma Senses, dass sie an keinem Tag in Myanmar wieder in die Nacht hinein fahren muss. Somit blockiert sie die ganze Gruppe, mich wundert es stark, dass sie es durch den Nordosten Indiens geschafft hat, wo doch dort noch das witch hunting so verbreitet ist. Nun ist Vingh gefragt, Vertreter von Burma Senses, er verspricht nicht mehr bis in die Nacht zu fahren, aber keiner glaubt ihm das. Wir schlagen nun den Bikern vor, weiterzufahren und dem Management Zeit zu geben, einen neuen Reiseplan auszuarbeiten, den Vingh am Abend vorstellen soll.

So starten wir dann mit 1 ½-stündiger Verspätung unsere heutige Etappe, die bereits verkürzt wurde. Am Abend präsentiert Vingh den neuen Plan, Rangun und Mrauk U sind gestrichen worden, sehr zum Leidwesen von Werner und Susi, die aber letztendlich zustimmen, damit der Friede in der Gruppe erhalten bleibt.

Am darauffolgenden Tag besichtigen wir eine Höhle mit über 8.000 Bildnissen des Buddha.  Als wir wieder herauskommen ist ein Reifen von Vince‘ Motorrad platt und er wechselt mit Hilfe von Ard den Reifen, leider erreichen wir auch heute die Unterkunft nicht bei Tageslicht. Kleinlaut entschuldigt sich Karen an diesem Abend bei den Anderen.

Nach diesen kleinen Startschwierigkeiten und der Grüppchenbildung Autos vs. Bikes geht es dann endlich richtig los und wir können die Zeit in Myanmar genießen. Als nächstes fahren wir nach Nyaung Shwe und von dort aus zum Inle See. Wir machen eine Bootsfahrt und besichtigen eine Seiden- und Lotusproduktion. Besonders interessant ist es wie aus den Stengeln der Lotusblume die Fäden gewonnen und zu Garn gesponnen werden, leider sind die fertigen Schals und anderen Lotusprodukte unbezahlbar. In einem netten Restaurant auf dem See legt unser Boot zum Mittagessen an, als wir wieder ablegen möchten und sich fast alle Leute auf dem Bootssteg befinden, bricht dieser ein. Es entsteht eine kleine Panik und einige gehen unter, Ards Nikon Kamera ist nach dem Tauchgang nicht mehr zu gebrauchen und Karen ist pudelnass.

‚Karma knows everyones adress‘ – aber zum Trost kriegen die Geschädigten ein T-shirt oder einen Longji [Londschi], den traditionellen Wickelrock der Burmesen vom Restaurant geschenkt.

Wir besuchen noch eine Produktion von Schirmen, deren Bezug aus Shen-Papier hergestellt wird. Interessant ist, dass das Papier aus den Blättern des Maulbeerbaumes hergestellt wird. Der Maulbeerbaum ist ein echtes Multitalent. Die Seidenraupen fressen ausschließlich Blätter dieses Baumes, aus den Blättern kann man dieses Papier herstellen, die Früchte schmecken sehr gut und letztendlich findet auch das Holz Verwendung.

Aufgrund des verkürzten Tourplanes haben wir jetzt nachmittags auch mal etwas mehr Zeit und einmal sind wir gegen 15 Uhr schon an den Autos. Diese parken direkt vor dem Hoteleingang, in dem die Biker ihre Zimmer haben. Wir trinken zusammen mit Claire und Emiel ein paar Bier, Emiel dreht dann Metallica etwas auf und wir steigen auf Mandalay Rum um, die Musik wird immer lauter und inzwischen spielt Emiel auf der Rumflasche Luftgitarre in seinem pakistanischen Shilwar Kamez. Es ist ein super Abend mit einem kleinen Kater am Morgen. Vor einem deutschen Hotel wäre so etwas undenkbar gewesen, die Mitarbeiter winken noch freundlich als wir wegfahren.

Der weitere Weg nach Thailand führt uns zum Mount Popa, das uns stark an Meteora erinnert. Annette wird auf dem Weg nach oben zum Tempel von einem Affen belästigt, der um alles in der Welt ihre Wasserfalsche will. In Bago besuchen wir die Shwemawdaw Pagode, die mit ihren 114 m als die höchste der Welt gilt, sowie den Goldenen Felsen, der nur durch ein Haar des Buddha im Gleichgewicht gehalten wird.

Nach 14 Tagen erreichen wir die Grenze zu Thailand, mit Werner , Susi, Claire und Emiel haben wir uns super verstanden und hatten eine tolle, gemeinsame Reise, die Motorradfahrer sind nach dem Grenzübertritt ohne ein Wort des Abschieds einfach davon gefahren.

Myanmar hat uns mit seinen Menschen, seinen Landschaften und seiner Kultur super gut gefallen und wir wären gerne länger geblieben und hätten gerne mehr Freiräume gehabt. Nach dem Wahlsieg der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hoffen wir für dieses Land, das es sich weiter öffnet und sich gut entwickelt.

In Thailand verbringen wir noch zwei Tage gemeinsam mit Naglwitz und ‚This life outside‘ bevor sich unsere Wege wieder trennen. Emiel und Claire fahren in den Norden und dann nach Laos, Susi und Werner parken ihr Auto in Chiang Mai und fliegen zurück nach Österreich und wir wollen an den Beach und uns von den Strapazen in Indien und Myanmar erholen.

Ab in den Urlaub!

 

Wir sind in LAOS

fröhliche Weihnachten wünschen wir euch allen und hoffen, dass ihr auch 2016 unseren Blog verfolgt.

Merry Christmas to all our friends and we hope you’ll follow our blog in 2016, too.

Thank you.

Jahresrückblick 2015 – Video

Hier könnt ihr einen kleinen Jahresrückblick sehen.
Wir durchquerten 2015 die Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan, China, Pakistan, Indien, Myanmar, Thailand, Kambodscha und Laos.

Hier gehts zum Video

Incredible !ndia

Seit der Osttürkei ist unser Scheibenwischermotor nur noch mit 2 statt 3 Schrauben befestigt, da eine Aufnahme am Alugussgehäuse abgerissen ist. In Kashgar/China hatte ich den Motor noch zusätzlich mit Kabelbindern fixiert, jedoch wenn es stark regnet und der Scheibenwischer auf Hochtouren läuft, fängt sich dieser an, zu verstellen. Bevor wir nun nach Indien und nach Südostasien fahren, wo es doch auch mal heftiger regnen kann, wollen wir dieses beheben lassen. Wir bestellen bei Mercedes-Benz in New Delhi einen Wischermotor und begeben uns nun zur Werkstatt.

Auch hat das Beast nach der erfolgreichen Überquerung des Pamir, des Karakorum und des Himalayas ein paar Streicheleinheiten nötig und verdient.  Zu unserer Überraschung und Freude treffen wir in der Werkstatt Christian, vom weltweiten Mercedes-Benz Kundendienst, der für fünf Jahre nach Indien ‚abkommandiert‘ wurde. Der schaut persönlich den Wagen durch, entdeckt noch ein paar Kleinigkeiten und managt den ganzen Ablauf.  Zu guter Letzt können wir auch noch bei ihm schlafen, er lädt uns ein in sein Apartment, das sich etwas außerhalb in ruhiger Lage befindet. Der Clou ist seine Dachterrasse, auf dieser sitzen wir jeden Abend und trinken ein paar Kingfisher Bier oder Gin Tonic. In der Ferne kann man Flugzeuge beobachten, die den Flughafen Delhi anfliegen und an einem Abend müsste auch die deutsche Bundeskanzlerin einfliegen, sie besucht Indien, just zu der Zeit als wir auch in Delhi sind. Alle öffentlichen Plätze sind mit deutschen Fahnen geschmückt. Christian erzählt uns, dass er kurz zuvor noch die S-Klasse des Präsidenten durchchecken musste, mit der Angela Merkel in Delhi chauffiert wird und die beiden Ersatzfahrzeuge, noch eine S-Klasse und einen Ambassador/Morris Oxford, ebenfalls gepanzert.

Während das Beast in der Werkstatt ist, nutzen wir die Zeit, sehen uns Delhi an und besorgen Visa für Myanmar und Thailand.

Bei Delhi Tourismus (Coffee Home 1, Baba Kharak Singh Marg) buchen wir die halbtägige Citytour und fahren mit einem Bus zum Lakshmit Narayan Temple, auch bekannt als Birla Mandir, einem großen Hindu Tempel. Im Anschluss geht es weiter zum Qutub Minar, einem 72 m hohen Minarett aus dem 12. Jahrhundert im afghanischen Baustil.

Das Safdarjung-Mausoleum für Mirza Muqim Abul Mansur Khan (1708–1754) wurde 1754 fertiggestellt und liegt in einem schönen Garten. Das Mausoleum Safdarjungs wird oft bewertet als „letztes Aufleuchten der Mogularchitektur“. Nachfolgende Herrscher waren nicht mehr in der Lage, sich ein derartig aufwendiges Grabmal zu leisten. Mehr und mehr übernahmen die Briten mit ihrer merkantilen und militärischen Präsenz (Britisch Indien) die Kontrolle über die Machthaber Indiens; nach und nach verleibten sie sich das zerfallende Mogulreich „als schönstes Juwel in der Krone“ des britischen Weltreiches ein.

Zum Abschluss fahren wir zum Gandhi Smrit, dem Haus, in dem Mahatma Gandhi am 30. Januar 1948 ermordet wurde. Wir betreten den schönen, gepflegten Garten, und dann das Haus. Zuerst gibt es viel zu lesen, die Wände sind voll mit Drucken, Schriften, Zeitungen und vielem mehr, das meiste in schwarz weiß, dann betreten wir das Zimmer, in dem sich Gandhi die meiste Zeit aufgehalten hat, uns befällt das Gefühl, dass er immer noch hier wohnt und gleich reinkommen muss, als wir seine Brille sehen müssen wir erst einmal schlucken und tief Luft holen, wir kämpfen mit den Tränen.  Auf einer Tafel lesen wir … sein Vermächtnis ist Mut, sein Banner Wahrheit, seine Waffe Liebe …

Aus seinem Zimmer führen Fußabdrücke in den Garten, denen wir folgen, sie enden an einem kleinen Pavillon, den Gandhi immer zum Beten aufgesucht hat und wo er im Winter 1948 durch 3 Pistolenschüsse in die Brust getötet wurde.

Wir sind tief beeindruckt und gehen noch einmal zurück in das Haus, um mehr über das Leben und seinen gewaltlosen Kampf für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu erfahren.

Großes Aufsehen erregte die Spinnrad-Kampagne. Sie richtete sich gegen den Import englischer Stoffe. Auf Reisen durch das ganze Land rief Gandhi dazu auf, zu Hause selbst Stoffe herzustellen. Gandhi machte damit das Spinnrad zum Symbol der indischen Unabhängigkeit. In dieser Kampagne war es ihm gelungen, das indische Volk auf einen friedlichen Weg des Widerstands zu führen. Noch heute ziert ein Spinnrad die indische Flagge.

Wir wünschen uns, dass es mehr von Menschen seiner Art auf dieser Welt gibt, dass Konflikte und Konfrontationen auf seine Art gelöst würden, statt zu terrorisieren und zu bomben.

Am Nachmittag besuchen wir noch das rote Fort ‚Lal Qila‘ und das India Gate, ein Kriegsdenkmal zu Ehren aller gefallenen Soldaten Indiens.

Laut einer  Studie von Credit Suisse (!?) verfügt Indien über die 5. stärkste Armee der Welt und es wird erwartet, dass das Land bis 2020 die 4. größten Militärausgaben der Welt haben wird. Auf der anderen Seite hat der Präsident dem Volk versprochen, dass bis 2019 jeder Inder eine Toilette hat. Hier wird deutlich in welchem Dilemma dieses Land steckt.

An einem Nachmittag treffen wir uns noch mit Gary, er hatte uns bereits auf der Fahrt in die Stadt auf dem Highway „entdeckt“ und Fotos von uns gemacht. Auch wir hatten ihn damals in seinem Toyota Pickup gesehen. Er nahm über Facebook mit uns Kontakt auf und so trafen wir ihn in seinem Reifenhandel am Khan Market in Delhi. Er ist selbst ein Reisender und besitzt 8 Geländewagen, mit einem davon fährt er Ende des Jahres auch über Myanmar nach Thailand. Er lädt uns zum Kaffee ein, wir plaudern über Gott und die Welt und am Abend führt er uns in den Ethiopian Club zum Essen, dieser befindet sich im Diplomatenviertel und Zutritt ist nur für „Members“. Gary ist Mitglied und wie wir so heraushören, hat er viele gute Kontakte. Er lud uns zu sich in sein Landhaus im Norden ein, eine australische Familie, ebenfalls Overlander, hatte dort vor kurzem 2 Wochen gecampt. Leider müssen wir sein Angebot ablehnen, denn unsere Nepalpläne hatten wir aufgrund von Grenzschwierigkeiten und politischem Geplänkel zwischen Indien und Nepal aufgegeben.

Unser weiterer Weg führt über Agra, Varanasi nach Kalkutta. Dort kriegen wir unsere neuen Bremsbeläge, diese waren leider im Lieferrückstand und Christian organisierte für uns, dass wir weiter nach Osten fahren können. Die Beläge kommen erst am 23.10. nach Kalkutta und am 28.10. müssen wir bereits in aller Frühe an der indischen Grenze zu Myanmar stehen.

Am 10. Oktober verlassen wir Delhi in Richtung Agra, wo es das weltberühmte Taj Mahal zu bewundern gibt. Die Straße dorthin ist eine der besten des Landes, für die guten 200 Kilometer benötigen wir bei gemütlicher Fahrt 4 Stunden. In Agra steuern wir das Hilltop Hotel an, dort, so haben wir von Ronald und Rini gehört, kann man im Garten campen und zum Taj Mahal ist es auch nicht weit. Wir checken dort ein, alles ist sehr heruntergekommen und bis auf einen, lungern alle nur herum.

Bhola, so ist der Name des ‚Mädchen für Alles‘ im Hilltop Hotel und auch uns bietet er sofort seine Hilfe an. Er besorgt vom Markt Gemüse und Wasser für unseren Tank. Ich gebe ihm ein paar Klamotten aus meiner Kiste, da diese mittlerweile kaum noch zugeht. Bhola hat in etwa die gleiche Statur, außerdem bekommt er ein paar Camelboots, die zwar auf der Seite aufgerissen sind, aber die zahlreichen Schuhmacher an der Straße können das problemlos reparieren. Für seine Töchter geben wir ihm noch ein paar Stifte und den Düsseldorf Metro Marathon Rucksack. Wir denken, dass dies nun genug sei, aber zum Schluss kam Bhola noch mit einer Kopie seiner Bankdaten zu uns und meinte, wir könnten ihm noch Geld überweisen.

Am Morgen stehen wir um 05.00 Uhr auf und gehen ohne Frühstück los. Auf dem Weg zum Taj Mahal sagen uns einige wir müssten zum West Gate gehen, dort sei der Eingang für Ausländer. Also nehmen wir diesen Weg. Am West Gate sind viele Schalter, aber nur einer für Ausländer. Alle sind menschenleer, bis auf den für die Ausländer, dort stehen Dutzende Menschen an, Männer und Frauen durch eine Eisenstange getrennt. Der Eintritt für Inder beträgt 20 Rupien, für Ausländer 750 Rupien, dafür bekommt man aber eine kleine Flasche Wasser gratis.

Als wir dann endlich unsere Tickets haben und gefühlten 100 Guides erklärt haben, dass wir keinen möchten, begeben wir uns zum Eingang, dieser öffnet bei Sonnenaufgang, aber die Schlange bewegt sich äußert langsam. Später erfahren wir den Grund, Securitycheck, schlimmer als am Flughafen, wieder getrennt für Mann und Frau. Man muss durch ein Portal und Hand- oder Fototaschen werden geröntgt. Ich muss die kleine Taschenlampe abgeben, bzw. in einen Mülleimer entsorgen. Annette muss ihr kleines Langenscheidts Zeigebuch entsorgen, wegen schwerer Sicherheitsbedenken. Das benutzte sie immer in Restaurants, um den Leuten zu zeigen, dass sie kein Schwein, kein Schaf, kein Beef und auch kein Huhn essen mag.

Aber klar, für die Sicherheit tun wir auch dies. Mit leicht erhöhtem Puls betreten wir dann das Gelände, der Sonnenaufgang ist leider schon vorbei. Wir schieben uns mit der Masse durch den Park, machen Fotos und entspannen ein wenig im Schatten. Wir besuchen noch das Agra Fort und gehen dann zurück zu unserem Zelt. Unterwegs gehen wir an einem Busparkplatz vorbei, die indischen Busse haben immer eine Art mobile Küche dabei, wo die ganzen Fahrgäste verköstigt werden. Wenn so ein Bus seinen Parkplatz verlässt, hinterlässt er einen unglaublichen Müllhaufen.

Als wir unseren Platz verlassen, fragen wir Bhola, wohin wir unseren Müll tun können, den wir fein säuberlich die letzten Tage gesammelt hatten. „Oh, you can give it to me.“ Dann nahm er den Sack, ging einige Meter in das angrenzende Wäldchen und warf ihn dort hinein.  Incredible !ndia

Wir fahren weiter nach Varanasi, die Straßen werden immer schlechter, aber die Maut bleibt. Die Landschaft verändert sich jetzt, es sieht steppenartig aus und wir sehen Strohhütten, viele Bananenplantagen und Kamele ziehen mit ihren Lasten vorüber. Als wir gegen 18 Uhr Varanasi erreichen ist es bereits dunkel, der Verkehr ist dicht und chaotisch, viele fahren ohne Licht und die Lichter, derer, die mit Licht fahren blenden derart, dass man kaum etwas sehen kann.  Direkt vor uns fährt ein Motorrad, das ein unbeleuchtetes Motorrad, das abbiegen möchte, übersieht und ungebremst in dessen Seite donnert. 3 Menschen, davon ein Kind, alle ohne Helm stürzen auf die Straße, wir weichen aus und halten kurz, fahren jedoch weiter, da sich sofort eine Menschentraube gebildet hat.

Wir suchen das Hotel Surya, auch dort soll man im Hof campieren können, als wir dort ankommen, können wir dies jedoch kaum glauben. Das Hotel macht einen sauberen, sehr gepflegten und hochwertigen Eindruck, also fragen wir an der Rezeption. Ja, kein Problem, wir können hier im Dachzelt schlafen, WC und Toilette gibt es am Swimming Pool. Das hört sich doch gut an, wir bleiben 3 Nächte hier und können hinter dem Pool parken. Eines Abends kommt eine junge Amerikanerin zu uns und stellt sich als eine Miteigentümerin vor, sie erklärt uns, dass sie die Art zu reisen toll findet und daher das unterstützt, sodass Overlander hier campieren können. Auch wir finden das klasse, dass es Menschen gibt, die diese Art zu reisen unterstützen, es wäre ja einfach zu sagen, dass man hier ein Zimmer mieten muss.

Am Morgen plantschen wir zuerst etwas im Pool, bevor wir uns aufmachen die Stadt zu erkunden, die als eine der ältesten Städte Indiens und als die heiligste Stadt der Hindus gilt. Gegründet im Jahre 1.200 v. Chr. besitzt sie heute über 1,2 Millionen Einwohner und liegt am linken Ufer des Ganges, dem heiligen Fluss der Hindus. Mit einem Tuk Tuk fahren wir zum legendären Dasaswamedh Ghat, einer von über 80 Treppen (Ghats), die hinunter zum heiligen Fluss führen. Die engen Gassen sind schon ein Erlebnis für sich, Menschenmassen, Kühe, Hunde, Ziegen, Verkaufsstände, Pilger, Bettler und Touristen bevölkern die Gassen und Ghats, Gerüche und Gestank wechseln sekündlich.

An den Ghats selbst ist es erstaunlich ruhig, man erklärt uns, dass im November die Pilgersaison ist und dass man dann nur sehr schwer einen Platz an den Ghats finden kann. Wir beschließen eine einstündige Bootsfahrt zu machen und das Treiben von der Flussseite aus zu betrachten. Wir bezahlen 300 Rupien (~4,10 €) und werden dann eine Stunde über den Fluss gerudert, hinunter zu den Waschplätzen und Krematorien, wir beobachten Pilger, die im Fluss baden und Opfer bringen. Nach der Bootsfahrt essen wir noch etwas und fahren mit einer Rikscha zurück. Wir fragen den Rikschafahrer , ob er die Adresse kennt und wieviel es kosten soll, er wackelt nur mit dem Kopf und zeigt uns mit einer Geste an, einzusteigen. Ich wiederhole aber die Fragen so lange, bis er uns sagt, wieviel er für die Fahrt haben möchte. Und natürlich weiß er nicht wohin er fahren muss, unterwegs hält er mehrmals an und fragt nach dem Weg, dann verfährt er sich und zu guter Letzt will er den Fahrpreis neu verhandeln, es ist immer das gleiche Spiel, ich schüttle nur den Kopf und halte ihm die vereinbarten Rupien hin.

Der Verkehr ist wie überall unbeschreiblich chaotisch, der Inder scheint überhaupt keine Zeit zu haben, jede Lücke auf der Straße wird zugefahren, vielleicht ist doch noch ein Vorbeikommen oder Überholen möglich. Einmal beobachten wir, wie der Ambulanz Rettungswagen vor einer Brücke wieder umkehrt, es gibt kein Durchkommen und selbst einem Einsatzfahrzeug mit Blaulicht wird keine Vorfahrt eingeräumt. Incredible India! Um der Eile noch besondere Brisanz zu verleihen wird die Hupe unentwegt betätigt, als wir am Hotel ankommen sind wir total genervt. Wir ziehen uns zurück an den Pool und versuchen mit einem kalten Bier wieder herunterzukommen. Für den nächsten Tag buchen wir beim Reisebüro des Hotels eine Frühtour zum Sonnenaufgang mit Bootsfahrt auf dem Ganges.

Um 04.30 stehen wir auf und um 05.00 Uhr sind wir am vereinbarten Treffpunkt. Leider fehlen zwei Leute, die beiden US-Brasilianer haben verschlafen und kommen 20 Minuten zu spät. Auf der Fahrt zu den Ghats fragt der Fahrer die beiden wie sie Indien finden und wie ihnen das Essen schmeckt, worauf sie antworten, dass sie einmal indisch gespeist hätten und seitdem nur noch Pizza essen.

Wir treffen an den Ghats noch eine israelische Familie und dann geht es ins Boot, trotz unserer Verspätung erleben wir einen unvergesslichen Sonnenaufgang am Ganges. Während der Fahrt fragt uns die Frau des Israeli, als sie gehört hatte, dass wir den ganzen Weg nach Indien mit dem Auto zurückgelegt haben, ob die anderen Länder auch so dreckig und vermüllt seien. Nein, teilten wir ihr mit, Indien ist das mit Abstand dreckigste Land, das wir jemals gesehen haben.

In Osh (Kirgistan) hatten wir Pierre-Alain aus der Schweiz mit seinem Landrover getroffen, mit ihm sind wir immer noch in Kontakt und als er vernahm, dass wir nach Indien reisen sandte er uns u. a. dies:

… when I was in India 2 years ago, after 3 months driving there, I wanted to Kill (!!!) somebody on the road… It was time for me to quit this country before it happens !!!

Just remember the 3 important rules in India:

1) There are no rules
2) You are bigger than others, then you have the priority
3) No accident

I see that you crossed Pakistan and you are still in life. Well done!

Wir waren jetzt erst gute 6 Wochen in Indien, aber bei mir war es jetzt schon soweit. Beim Fahren hatte ich Mordgedanken. Die Inder können nicht Autofahren, vorausschauendes Fahren ist ein Fremdwort, Verkehrsregeln unbekannt. Jeder hat es sehr eilig, daher fährt man halt in Einbahnstraßen oder ist als Geisterfahrer auf den Highways unterwegs. Überholt wird da, wo gerade Platz ist und da die Autobahn auch gleichzeitig Viehweide und Verkehrsweg für Hirten, Rikschas und Tuk Tuks ist, fährt der LKW eben permanent auf der eigentlichen Überholspur. Die Polizei schaut munter zu. Der Stärkere hat Vorfahrt, oft wurden wir Augenzeuge wie Fußgänger von Tuk Tuks angefahren wurden, wen kümmerts?

Als wir Varanasi verlassen müssen wir die Bahnschienen queren, ein Wärter lässt die Schranken zuerst halb herunter und nach einer Weile dann ganz. Aber selbst wenn die Schranke geschlossen ist, überqueren Fußgänger, Rikschas, einfach alle, die ihr Gefährt irgendwie unter der Schranke hindurchquetschen können die Gleise. Wir warten vor der Schranke, unterdessen füllt sich die komplette Strasse mit Fahrzeugen, auf der anderen Bahnseite geschieht das Gleiche und als die Schranke dann endlich wieder einmal aufgeht, preschen von beiden Seiten die Fahrzeuge über die gesamte Straßenbreite nach vorne, bis sie aufeinandertreffen, dann wird versucht irgendwie aneinander vorbei zukommen. Time is cash, time is money.

Wir verlassen die Stadt unbeschadet und fahren wieder auf den Highway in Richtung Kalkutta, die Stadt am Ganges Delta. Für mich ist diese Stadt Synonym für Armut und Elend, während meiner Grundschulzeit behandelten wir Mutter Theresa und von Kalkutta hatte ich immer nur im Kopf Lepra, Elend, Armut und Tod. Ich bin sehr auf die Realität gespannt.

Für die Fahrt benötigen wir zwei volle Tage, der Verkehr und die Straße sind ein Graus und kurz vor Kalkutta haben wir unser bis dahin übelstes Verkehrserlebnis. Vor uns fährt ein Truck wie immer auf der rechten Spur (Überholspur – in Indien herrscht Linksverkehr), ich setze zum Überholen an, als dieser plötzlich auch auf die linke Seite wechselt. Gut, denke ich , er macht uns Platz auf der Überholspur und ich kann ihn rechts (vorschriftsmäßig) überholen. Als ich auf die Überholspur hinausziehe, sehen wir den wahren Grund, des Spurwechsles des LKW’s, es kommt ein riesiger Truck entgegen und das mit voller Geschwindigkeit. Ich mache sofort eine Vollbremsung, die Reifen quietschen und ich schere wieder links hinter dem LKW, den wir überholen wollten ein. Der Geisterfahrer rauscht an uns vorbei, das Beast schwankt noch gewaltig und unsere Nerven flattern. Das war knapp.

Überholmanöver

Ich bin total genervt, es kommen andauernd Geisterfahrer. Autos fahren Auffahrten hinunter oder biegen von der Auffahrt in die falsche Richtung ab. Es scheint niemanden zu kümmern. Mittlerweile bin ich aus Frust dazu übergegangen den Geister-LKW’s Lichthupe zu geben und eindeutige Handzeichen zu geben, Annette fängt an, sich aufzuregen und erklärt mir, dass es sinnlos sei. Wahrscheinlich hat sie Recht.

In Indien sterben jedes Jahr mehr als 230.000 Menschen durch Verkehrsunfälle, in Deutschland sind das 3.368 (2014). Bezogen auf die Bevölkerungszahl sterben in Indien 5 mal soviele Menschen im Straßenverkehr wie in Deutschland. Laut einer WHO Studie beklagen arme Länder, die meisten Verkehrstoten. Wir stellen uns schon die Frage, ob das Geld, das Indien für die Verteidigung des Landes ausgibt, vielleicht nicht doch besser an der ‚Heimatfront‘ ausgegeben wäre? Eine Reduktion der Verkehrstoten um den Faktor 5 würde fast 200.000 Indern pro Jahr das Leben retten, im Süden Indiens wird das Dorf Peddakunta auch das Dorf der Witwen genannt, dort sind bis auf einen Mann, alle Männer des Dorfes auf der Landstrasse, die durch das Dorf führt, ums Leben gekommen. Uns wundert dies nicht.

Dann kommen wir in die Stadt, die sich selbst als Crazy Calcutta bezeichnet und in einer Stadtbroschüre steht zu lesen:

Calcutta is not for everyone.
You want your cities clean and green, stick to Delhi.
You want your cities rich and impersonal, go to Bombay.
You want them high-tech and full of draught beer, Bangalor’s your place.
But if you want a city with a soul, come to Calcutta.

Das verspricht ein neues Erlebnis zu werden. Kalkutta hat mehr als 18 Mio. Einwohner, wir suchen uns im Nordosten eine Unterkunft und erkunden von dort aus die Stadt. Wir haben noch einige Tage, bis unsere Bremsbeläge da sind. Außerdem wird gerade das Durga Puja Festival gefeiert, ein sehr wichtiges Festival für die Hindus, die temporär aufgebauten Tempelanlagen finden sogar Erwähnung in der deutschen BILD Zeitung.

Es herrscht Hochstimmung, viele Geschäfte bleiben geschlossen. Mit Einbruch der Dunkelheit strömen die Menschen zu den kunstvoll beleuchteten und reich geschmückten Tempeln, es gibt überall zu essen, Musik und manchmal wird getanzt. Es geht die ganze Nacht hindurch, über 10 Tage.

In Kalkutta besichtigen wir das Victoria Memorial, Fort William und den New Market. Dort verfolgt uns ein aufdringlicher Händler, trotz mehrmaligem Verneinen, dass wir wirklich nichts kaufen wollen, geht er ständig neben uns her. Ich bleibe stehen und sage ganz deutlich zu ihm, dass er verschwinden soll, er beharrt jedoch darauf, dass er hier gehen darf. Ja, das darf er, aber ab sofort nicht mehr mit uns sprechen. Es ist verrückt, wie mich diese Inder mit ihrer bloßen Anwesenheit aggressiv machen können. Wir biegen auf dem New Market in eine Seitengasse ab und landen in der ‚Fleischabteilung‘, links werden gerade eine Menge Hühner geschlachtet, die Körper zappeln auf dem blutüberströmten Boden, rechts wird gerade eine Ziege fachgerecht zerlegt, aber das Schlimmste ist der fürchterliche Gestank. Ich muss schon laut würgen, Annette ruft mir zu: „Schau mal, da werden Hühner frisch geschlachtet!“ Aber ich kann nicht schauen, ich muss gleich kotzen, der Gestank ist unerträglich, im Eilschritt erreiche ich die Gemüsehalle und dann das Freie. Ich atme tief durch, das war knapp, vielleicht ein Grund auch Vegetarier zu werden. Aber eines ist klar, würden wir in Deutschland auch auf solchen Märkten einkaufen, wäre der Fleischgenuss deutlich reduziert, keine Knusperdinos oder Nuggets für Kinder und nicht jeden Tag Schnitzel.

Wir sind im indischen Bundesstaat West Bengalen, dem Zuhause des sagenumwobenen und legendären bengalischen Tigers. Wir möchten in die Sundarbans fahren, was auf Deutsch so viel wie schöner Wald bedeutet und der größte Mangrovenwald der Erde ist. Der Fahrer holt uns morgens um 06.00 Uhr ab. Vor dem Hotel stehen ein schönes weißes Taxi und ein uralter grüner Ambrassador/Morris Oxford. Der Portier bringt mich zu den Wagen, ich tendiere nach rechts zum Taxi, aber er sagt, „No – this is your car“ und deutet auf den grünen Oldtimer. Der Fahrer kommt, es ist ein junger, lustiger Typ und dann fahren wir los. Die Fahrt in das Delta des Ganges dauert ca. 3 Stunden, keine Klimaanlage, Kopfstützen, etc. Zuerst erklärt er uns, dass er bis vor zwei Stunden am Festival war und dass das Fahrzeug über 50 Jahre alt ist. Die Sitze sind durch und die Fenster lassen sich nur mit großem Kraftaufwand herunterdrehen. Dennoch ist die Fahrt ganz angenehm, wir machen zweimal eine Pause, tanken und trinken Tee. Vom Auto steigen wir dann auf das Boot um, wir sind alleine drauf, aber 5 Crewmitglieder, der Fahrer sagt uns, dass er die Tour heute zum ersten Mal alleine durchführt, wahrscheinlich sind alle am Festival. Es gibt Frühstück und dann tuckern wir los, es steigt noch ein offizieller Guide des National Park zu und dann fahren wir in den Dschungel ein. Wir sehen Vögel, Leguane, einen Hirsch, Schildkröten, aber den bengalischen Tiger verpassen wir an einem Watchtower nur um Minuten, ein anderer Besucher zeigt uns sein Kameradisplay mit einem Prachtexemplar, das sich wenige Minuten vorher gezeigt hatte. Laut dem Guide vom National Park leben hier 103 Tiger. Wir fahren weiter, es gibt Mittagessen und unser Guide schläft sich aus. Gott sei Dank – denn die Heimfahrt ist anstrengend, das Auto hat nur eine Lichtstufe (Highbeam) und so schaltet er es ständig an und aus, die Straßen sind aufgrund des Festivals überall überfüllt, Fußgänger, Rikschas und Motorräder mit unzähligen Menschen, leider meist unbeleuchtet. Gegen 21 Uhr erreichen wir wieder wohlbehalten das Hotel, wir haben einen wunderbaren Tag verbracht und fallen todmüde ins Bett.

Es ist nun Freitag und unsere Bremsbeläge sind da, es ist der einzige Tag in dieser Woche, an dem die Werkstatt auf hat. Durga Puja, dann Wochenende und dann das nächste Festival.

Gegen 15.30 Uhr können wir Mercedes Benz in Kalkutta verlassen, beim Aufschreiben des Kilometerstandes war der Mitarbeiter sehr überrascht, ein indisches Auto hält im Durchschnitt 80.000 Kilometer, danach ist es Schrott. Wir haben mehr als doppelt so viel auf dem Tacho.

Wir verlassen auch die Stadt und machen uns nun auf den Weg zur Grenze nach Myanmar, wir haben über 1.500 Kilometer vor uns und die Straßen werden zunehmend schlechter. Wir müssen nach Norden und Bangladesch umfahren, kurz nach Kalkutta sind jedoch schon viele Straßen gesperrt, aufgrund von Festivals. Wir übernachten und starten am Morgen um 05.00 Uhr in aller Frühe, jetzt sind die Straßen so gut wie leer und wir kommen gut voran. Einmal sehen wir, wie ein Elefant die Straße kreuzt, zu schnell um ein Foto zu machen. Wir machen keine Pause, wir essen im Auto Obst und Nüsse, der Verkehr nimmt immer mehr zu und die Nerven liegen wieder blank.

In der Stadt Siliguri, wo wir bei Einbruch der Dunkelheit eintreffen wird auch ein Festival gefeiert und die Straßen sind verstopft, die Polizei regelt den Verkehr und riegelt die Innenstadt ab, eigentlich wollten wir hier in einem Guesthouse die Nacht verbringen, aber so fahren wir weiter, auf der zweispurigen Straße fahren die Fahrzeuge mittlerweile 4 bis 5-spurig nebeneinander, wir wollen raus aus der Stadt und fahren ganz rechts, ein Taxi meint noch eine neue Spur aufmachen zu müssen und will dann ganz nach links abbiegen, ich hupe mit unserem Drucklufthorn, aber der Taxifahrer streift mit seiner ganzen Fahrzeuglänge an unserem vorderen rechten Stoßstangeneck entlang. Ich sehe nur das weiße Taxi, jetzt mit eingedellter Seite, einem schwarzen Streifen und davonhängender Stoßstange hinten. Ich kann es kaum fassen, ich fahre neben das Taxi, lasse die Scheibe auf der Beifahrerseite hinunter und schreie. Ich schreie alles Üble, was mir auf Englisch so einfällt und fahre dann links an den Rand. Das Taxi ist verschwunden, aber im dichten Verkehr habe ich es schnell im Laufschritt eingeholt, es ist voll besetzt, überbesetzt mit einer Großfamilie und Kleinkindern auf dem Schoß der Frauen. Ich schreie immer noch, dass er das Beast gestreift hat und gefälligst halten soll, vor uns ist ein Verkehrspolizist, der den Verkehr regelt, ich laufe zu ihm und erkläre ihm den Sachverhalt, ein Augenzeuge kommt mit einem Auto hinzu und bestätigt das Ganze. Der Polizist zieht ein Absperrgitter vor und dahinter hält das Taxi, ich laufe kurz zurück zum Beast, um den Schaden zu begutachten und bin nach einer Minute zurück, das Gitter und das Taxi sind weg. Ich frage den Polizisten, was los ist, ernte aber nur das typische, indische Kopfwackeln. Erneut erlaufe ich im Marathonrenntempo den Unfallgegner, reiße die Fahrertür auf und fordere den Taxifahrer zum Aussteigen auf, dieser ist sichtlich verängstigt. Inder fahren wie die Idioten gebe ich ihm zu verstehen, alle Außenspiegel sind angeklappt und kaputt, diese sind eigentlich dazu da, um den nachfolgenden Verkehr zu beobachten.  Ich teile ihm auch deutlich mit, dass er einen Schaden von ca. 1000 Dollar zu vertreten hat. Der Familienvater der Fahrgäste möchte, dass ich sie in Ruhe lasse, es seien Kinder im Fahrzeug und es hätten beide Schuld. Der Fahrer hat mittlerweile die Tür wieder zugezogen und möchte wieder davon fahren, als meine Rechte durch das offene Fahrzeugfenster fährt. Das Veilchen wird er noch eine Weile mit sich herumtragen und für mich hat sich der Frust von 8 Wochen indischen Straßenverkehr schlagartig entladen. Das war ein 1000 $ Punch. Am nächsten Tag zeigt sich der Schaden, es fehlt die Kunststoffecke rechts an der Stahlstoßstange.

Die Landschaft wird nun wieder gebirgiger und die weitere Fahrt verläuft ruhiger. Hier im Nordosten Indiens entdecken wir an der Straße plötzlich Schilder mit der Aufschrift ‚ Stop Witch Hunting‘ und unsere Recherchen zu diesem Thema ergeben, dass hier jährlich über 150 Menschen, meist Frauen als Hexen verfolgt und getötet werden. Für uns unfassbar – Incredible !ndia

Endlich, nach 3 Tagen anstrengender Fahrt erreichen wir das Grenzkaff Moreh. Hier haben wir nun einen Tag zum Erholen, bevor wir in einer Gruppe von 6 Fahrzeugen in 14 Tagen Myanmar durchqueren werden.

Eine Nacht verbringen wir in einem Guesthouse, in dem es aber bereits morgens um 5 Uhr so unsäglich laut zugeht, dass wir am nächsten Tag direkt an der Grenze auf einem grasigen Platz übernachten.

Wir treffen hier Claire und Emiel aus Australien, die wir bereits in Pakistan getroffen hatten, sowie Susi und Werner aus Österreich, die mit ihrem Mercedes Sprinter die Welt umrunden.
Die drei Motorräder aus Australien, die unsere Gruppe vervollständigen, lernen wir erst an der Grenze kennen.

Ausnahmslos alle sind froh, Indien zu verlassen. Es ist ein Subkontinent, also ein eigener Kontinent auf dem Kontinent und mit nichts zu vergleichen.

Incredible !ndia

 

Interview Matsch & Piste

Das Offroad und Reisemagazin Matsch & Piste interviewt mybeastgoeseast.

Das vollständige Interview könnt ihr hier lesen:

Viel Spass

Matsch

http://matsch-und-piste.de/interview-mit-dem-beast-ueber-die-seidenstrasse-nach-osten/

Ladakh – traumhafte Landschaften, Tempel und Tibeter

Die Zeit drängt ein wenig, es ist bereits Mitte September und um nach Leh zu gelangen, müssen wir die höchsten befahrbaren Pässe dieser Erde überwinden.

Nachdem wir in Manali, die Genehmigung für die Fahrt nach Leh eingeholt hatten, starten wir in Richtung Norden in den indischen Himalaya nach Ladakh. Dies war einmal ein eigenständiges Königreich und ist nun ein Teil des indischen Staates Jammu und Kaschmir, der Name bedeutet so viel wie Land der hohen Pässe. (La = Pass, dakh = Land)

Es gibt noch viele Zweitnamen für Ladakh, wie z. B. Kleintibet, Westtibet oder Indisch-Tibet, aber Ladakh ist eine eigenständige Region und nicht Tibet, auch wenn viele Exiltibeter und der Dalai Lama momentan hier ihren Wohnsitz haben.

Zuerst überqueren wir den Pass Rohtang La, mit knappen 4.000 m einer der niedrigen Pässe, viele Inder aus dem Süden tummeln sich hier in Schneeanzügen und machen Fotos. Für die Meisten ist es das erste Mal im Leben, dass sie Schnee sehen. Die Anzüge können im Tal an unzähligen Ständen gemietet werden, soweit wir das überblicken können handelt es sich meist um ältere, abgewetzte, gebrauchte Ski Overalls aus Europa oder USA.

In einem Reisebericht über die Fahrt nach Leh und Ladakh wurde diese mit ‚The Beauty and the Beast‘ verglichen, wobei die Landschaft die Schöne und die Straße das Beast war und tatsächlich machen wir auf der nördlichen Passabfahrt vom Rohtang La erste Erfahrungen über den Straßenzustand. Unser Beast wird mit samt den Insassen gut durchgeschüttelt, die Straßen sind meist unbefestigt und schmal, durch Regen und Wasser, das von überall auf die Piste läuft, ist diese matschig und rutschig, durch das starke Gefälle wird die Abfahrt zu einem gefährlichen Unterfangen, das zeigen auch die zahlreichen gechrashten Fahrzeuge und überschlagenen Busse oder LKW´s am Straßenrand.

Für die ca. 480 km von Manali nach Leh brauchen wir zweieinhalb Tage, außer dass die Straßen schlecht sind, behindern uns Militärkonvois, die mit fast 100 Fahrzeugen auf der Strecke unterwegs sind, sowie die zahlreichen Trucks und Taxen. Überholen ist kaum möglich und wenn ein LKW oder anderes Fahrzeug entgegenkommt, beginnt eine Art Machtkampf. Es wird die Lichthupe wie wild betätigt,  gehupt, aber nicht gebremst, denn wer bremst verliert. Die LKW haben aufgrund ihrer Größe einen klaren Vorteil. Wenn einer entgegenkommt, heißt es für uns links ranfahren, aber selbst wenn wir in einer Einbuchtung stehen, kommen einige Trucks nicht vorbei. Die alten Gefährte oder selbst ausgebauten Tata Trucks sind total überladen und haben keine Lenkhilfe, also wollen einige in der Mitte weiterfahren. Das Beast ist auch nicht gerade klein und so legen wir uns ab und zu mal mit einem Truck, Bus oder Taxi an, aber vom Verkehr in Indien wollen wir in einem anderen Blog berichten.

Die Landschaft jedoch ist grandios, wir durchfahren wilde Täler und eindrucksvolle Gebirgszüge, die Farben sind unbeschreiblich. Einmal glauben wir in einer Sandwüste zu sein, bizarre Felsformationen, von Wind und Wetter geformt, ragen in gelb und orange aus dem Sand und doch, wir können es kaum glauben, lugt darunter Eis hervor. Ist das ein Gletscher?

Auf den Passhöhen, die wir überqueren, einige davon über 5.000 m hoch, wehen die Gebetsflaggen der Buddhisten im Wind.

Entlang des Leh-Manali Highways gibt es einige Häusersiedlungen, die meisten Menschen dort bieten etwas für Reisende an. Dhabas sind kleine Restaurants, wo es landestypische Speisen für wenig Geld gibt und Ramesh, der Sohn von Bophram gab uns den Tipp, dort auch zu übernachten. Für 100 Rupien kann man im Hinterzimmer in einem Schlafsaal ein Bett haben. Wir ziehen es aber vor, irgendwo abseits der Straße im Dachzelt zu schlafen.

Endlich überqueren wir den Indus und erreichen Leh, die Hauptstadt Lakdaks. Auch die Indusbrücke ist mit unzähligen Gebetsflaggen behängt und wir steuern das Goba Guesthouse an, wo wir im Hof parken und campieren können. Die netten Leute dort begrüßen uns mit einem lauten „Jullee, Jullee“, dem Gruß der Buddhisten in Ladakh. Und wenn wir auch hier nicht so gut kommunizieren können, sorgt ein Jullee, Jullee  meist für eine aufgelockerte Stimmung.

In Leh findet gerade das alljährliche Ladakh Festival statt. Wir bleiben hier 5 Tage und genießen die Zeit hier sehr. Wir besuchen Nick Eakins, lassen uns zwei Polohemden und zwei Hoodies mit mybeastgoeseast besticken, besuchen ein Polospiel und das Food Festival. Auch wollen wir noch auf den höchsten befahrbaren Pass der Welt fahren, den Khardung La, lt. indischen Angaben 5.604 m hoch, gemäß anderen Quellen, jedoch „nur“ 5.360 m hoch. Auch hierfür benötigen wir eine Permit. Auf dem Rückweg wollen wir am Tso Moriri und am Tso Kar vorbei und auch hierfür sind Genehmigungen notwendig. Wir kaufen also eine Universalgenehmigung mit 7 Tagen Gültigkeit und fahren dann auf den Khardung La.

Der Morgen ist bedeckt und regnerisch, der Regen geht bald in Schnee über und oben auf dem Pass herrscht das blanke Chaos. Die Inder lassen die Luft aus ihren abgefahrenen Reifen und unterlegen bei ihren PKW`s irgendwelche Kordeln und Schnüre, LKW und Army ziehen Schneeketten auf. Auf der Straße ist dafür natürlich kein Platz und so staut sich der Verkehr kilometerlang. Es gibt niemanden der für Ordnung sorgt und ab und zu gibt es mal ein Handgemenge, von der Ruhe, Ausgeglichenheit und inneren Balance der Inder ist nicht viel zu spüren.

So sitzen wir im warmen Auto, kurz vor der Passhöhe und warten darauf, dass sich der Verkehr wieder einmal vorwärts bewegt, als plötzlich ein junger Mann, der von oben herab kommt, sich vor unserem Auto hinkniet. Er verharrt einige Minuten in dieser Position, schlägt sich mehrmals gegen den Kopf und geht dann weiter. Im Rückspiegel sehe ich, wie der dann zwei Fahrzeuge weiter zusammenbricht. Ich springe aus dem Auto und greife die Sauerstoffmaske, samt Flasche, die ich von Ronald abgekauft hatte und renne zu dem armen Kerl. Es sind schon einige Leute da und unser Sauerstoff nicht nötig. Ein Taxifahrer hat ihm bereits eine Maske aufgesetzt und ihn auf den Rücksitz des Taxi gelegt. Wir gehen dann wieder zurück zu unserem Auto.

Wir sind hier auf 5.300 m und die Höhe ist nicht zu unterschätzen, auch uns fällt das Atmen schwer und es fällt uns wieder die Geschichte ein, von den beiden deutschen Bergsteigern, die in China ihren Kameraden in der Nacht im Zelt auf „nur“ 6.200m verloren haben.

In Leh gibt es eine Oxygen Bar, dort kann man Sauerstoff konsumieren und sich ausruhen, auch wenn Leh vergleichsweise niedrig, auf 3.500 m liegt, wissen wir, dass dies nicht nur zum Spaß dort ist.

Um an den Tso Moriri zu gelangen, folgen wir dem Lauf des Indus, die Landschaft fasziniert uns und als wir den See mit dem letzten Tageslicht erreichen, zieht uns die Atmosphäre in ihren Bann. Wir campieren am Westufer, südlich der Ortschaft Karzok, dem Winterquartier der Nomaden.

Unser Schlafplatz liegt auf 4.700 m und lässt uns nicht gut schlafen, die Aussicht und die Landschaft entschädigt uns am Morgen für die Kopfschmerzen. Es geht wieder ein Stück zurück und nach dem Tso Kar zurück auf den Highway. In Keylong bleiben wir nochmal für zwei Tage und machen einen Ausflug zur Kardang Monastery. Die Aussicht auf die umliegenden 6.000er ist wunderschön und im Ort ist ein Festival, die Leute laden uns ein, ihre Speisen zu probieren. Momos, eine Art Maultaschen begeistern uns. Über Shimla und Chandigarh verlassen wir die Bergwelt Indiens in Richtung ihrer Hauptstadt, Delhi.

In Shimla, der ehemaligen Sommerhauptstadt der englischen Besatzer bleiben wir einige Tage und besichtigen auf dem Berg Jakhoo (2.453 m) einen Tempel und eine überdimensionale Hanuman Statue, dies ist eine hinduistische Gottheit in Gestalt eines Affen und auch in der Stadt wimmelt es von wilden Affen.

Von Shimla aus verkehrt auch die Schmalspurbahn Kalka-Shimla Railway, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, die aufgrund ihrer geringen Größe und der begrenzten Anzahl an Wagen auch Toytrain (Spielzeugbahn) genannt wird.

Der Betrieb auf diesen Strecken, auf denen unter anderem auch noch Dampfzüge verkehren, hat sich seit dem Bau der Strecken 1903 nicht wesentlich verändert, der Regelbetrieb ging quasi fließend in den Museumsbetrieb über. Auf eine Fahrt verzichten wir allerdings, da es kurz zuvor zu einem Unfall kam, bei dem zwei Britinnen ihr Leben verloren haben.

Zum Schluss besuchen wir die Stadt Chandigarh, dies ist eine Planstadt, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts gegründet wurde. Im Sommer 1947 wurden Indien und Pakistan aus dem britischen Kolonialreich in die Selbständigkeit entlassen, was mit einer neuen Grenzziehung zwischen beiden Staaten verbunden war. Auch die Provinz Punjab wurde geteilt, wobei die Hauptstadt Lahore an Pakistan fiel. Daraufhin beschloss Indien die Errichtung eines neuen Regierungssitzes für den indischen Teil des Punjab. Als Standort wählte man ein Gelände in direkter Nachbarschaft zum Dorf Chandigarh, dessen Namen man auf die neue Stadt übertrug. Der Name leitet sich von der Göttin Chandi ab, der ein nahegelegener Tempel geweiht ist (garh bedeutet „Festung“).

Für die Errichtung einer neuen Hauptstadt wurden der amerikanische Städteplaner Albert Mayer und sein Partner, der Architekt Matthew Nowicki verpflichtet. Nachdem Nowicki 1950 tödlich verunglückte, schied auch Mayer aus der Planung aus. Nachfolger für die Planung wurde auf besonderen Wunsch Jawaharlal Nehrus, des Ministerpräsidenten Indiens, der Schweizer Architekt Le Corbusier. Der Grundstein für Chandigarh wurde 1952 gelegt.

Dort besichtigen wir den Rock Garden, den Skulpturgarten von Nek Chand, einem Road Inspector von Chandigarh, der 1957 damit anfing, skurril geformte Steine zu sammeln und aus Schrott und Abfall am Stadtrand des neuen Chandigarh im Verborgenen Skulpturen zu basteln.  Erst 1975 wurde sein Werk entdeckt, mittlerweile auf 49.000 m² herangewachsen, tummelten sich Skulpturen, Tänzer, Musiker, Tiere und Fantasiegestalten. Die Stadt schützte fortan das Gelände und machte es ab 1976 für die Öffentlichkeit zugänglich. Chand durfte seine Skulpturen u. a. in New York, Berlin und Paris ausstellen, wo er auch 1980, die große Verdienstmedaille des Bürgermeisters der Stadt Paris ‚Grande Médaille de Vermeil‘ erhielt, eine Auszeichnung zum Ritter im Orden der Künste. Indien widmete ihm 1983 eine Briefmarke.

Heute besuchen über 5000 Menschen täglich den Rock Garden und nach dem Besuch dieser Oase der Ruhe begeben wir uns wieder in das quirlige, bunte und laute Leben Indiens in Richtung ihrer Hauptstadt New Delhi.

 

Hindustan Times vom 13.09.2015

Hindustan Times vom 13.09.2015

Videoclip von OLX Pakistan

Deosai Plains

Videoclip von OLX Pakistan – zum anschauen bitte anklicken 

ab ca. 04:30 min mit mybeastgoeseast 😉

Auf den Spuren meiner Brüder

Ich kam gerade in die Schule, als meine Schwester unser Elternhaus verlies. Zu diesem Zeitpunkt waren auch schon meine beiden ältesten Brüder Bernd und Jürgen längst aus dem Haus und lebten in Berlin. Für mich war das damals unglaublich weit weg und dann hieß es eines Tages plötzlich, die beiden sind mit ihren Freundinnen weiter nach Indien gezogen. Unsere Mama schickte manchmal zu Weihnachten eine Linzertorte nach Indien, was die beiden dort genau trieben haben wir Kinder in Schopfheim nie richtig erfahren. Und auch später, als Jürgen mit Pia und ihren beiden Kindern wieder in Schopfheim lebten, waren Berichte über die damalige Zeit eher eine Seltenheit.

Als wir uns Gedanken über unsere Reise machten und darüber grübelten wohin wir eigentlich reisen möchten, machte ich den Vorschlag nach Indien zu reisen. Ich wollte sehen, wo meine Brüder früher gelebt haben. Leider lebt weder Bernd noch Jürgen, Pia und die damalige Freundin von Bernd, Isolde wohnen beide im Norden der Republik und nur von Isolde bekamen wir einige Hinweise über die damaligen Wohnorte.

Am 08. September ist es dann soweit, wir reisen nach Indien ein. Über die Wagha Border kommen wir von Pakistan nach Amritsar, die Stadt der Sikh. Dort akklimatisieren wir uns an Indien, campen 5 Tage in Mrs. Bhandaris Guesthouse, besuchen den goldenen Tempel und dann machen wir uns auf, in das Kullu-Manali Valley. Nach den Angaben von Isolde haben sie dort in einem Dorf names Haripur gelebt. Der Vermieter hieß Bhopram, weitere Informationen haben wir nicht.

Wir erreichen Haripur am frühen Nachmittag, es ist immer noch ein kleines Dorf im Tale des River Beas, ca. 15 km südlich von Manali. Es liegt auf der anderen Flussseite des National Highway 21 und schmiegt sich sanft an einen Berghang. Was nun? Zuerst wollen wir einen Platz zum Campen finden und uns dann auf die Suche nach Bhopram machen, wir fragen zuerst in einem Camp an der Dorfstrasse. Es sieht zwar geschlossen aus, aber es arbeiten ein paar Leute. Die Kommunikation ist schwierig, hier wird nur Hindi gesprochen. Einer gibt uns dann aber zu verstehen, dass wir hier nicht übernachten können. Als nächstes versuchen wir es in einer Cottage Siedlung, auch hier ist es schwierig zu kommunizieren, aber nach mehr als einer Viertelstunde wird der Owner herangeholt und wir erzählen ihm, das wir hier ein paar Leute suchen und, ob wir hier im Garten campen können. Nein, leider nicht, aber wir könnten einen Room für 5.000 Rupie pro Nacht mieten. Nein, das wollen wir doch dann auch nicht und Stefan fragt ihn, ob er hier jemanden kennt, der Bhopram heißt und der vor ca. 35 – 40 Jahren hier ein Haus vermietet hat. Er fragt seinen Angestellten, der aus Haripur stammt und sagt uns dann, dass er einen Bhopram kennt, sein Mitarbeiter würde uns zu seinem Shop bringen, aber wahrscheinlich sei die Kommunikation schwierig, Bhopram würde nur die hiesige Sprache sprechen. Wir könnten ihn dann aber gerne anrufen.

Wow, wir sind überrascht. Die erste Nachfrage schon ein Treffer? Das wäre ja zu einfach. Gespannt gehen wir dem Angestellten hinterher, bis zu Bhoprams Shop sind es zu Fuß vielleicht 10 Minuten. Der Angestellte sagt einige Worte zu einem kleinen Mann mit kurzen grauen Haaren. Stefan flüstert mir zu: “Nein, das ist nicht der Richtige, der ist zu jung.“

Dann wenden wir uns an Bhopram, ich sage zu ihm, dass meine Brüder Bernd und Jürgen hier gewohnt haben, vor vielen Jahren und, dass wir Bhopram, den Vermieter von Bernds Haus suchen und ob er das vielleicht sei.

Er schaut uns eigentümlich an.

„Yes.“

„Bernd and Isolde, Jürgen and Pia. I know them“

Wir sind platt, ein Volltreffer. Wir kriegen eine Gänsehaut. Wir stehen vor dem Mann, bei dem Bernd und Isolde mit meinem Cousin Marcel vor über 35 Jahren gewohnt haben. Ohne Zögern fallen Bhopram die Namen ein, als ob das erst letzten Monat und nicht vor mehr als 3 Jahrzehnten gewesen sei.

„Ich bin die Schwester von den beiden, wir sind hier, um zu sehen, wo die beiden früher gelebt haben.“

Er will wissen, ob Jürgen noch lebt. Dass Bernd bereits 1989 gestorben ist, weiß Bhopram. Als wir ihm sagen, dass auch Jürgen an Ostern 2013 gestorben ist, ist Bhopram sehr betroffen. Er ist gleichalt wie Jürgen.

Wir sollen mitkommen, in sein Haus. Er schließt seinen Gemüse- und Lebensmittelladen und geht mit uns zu seinem Haus, in dem er mit seiner Frau, seiner jüngsten Tochter und seinem ältesten Sohn und dessen Familie lebt. Im Erdgeschoss leben seine Eltern mit seinem jüngsten Brüder und seinen  beiden Söhnen.

Das Haus ist direkt neben dem Haus, das er früher an Bernd vermietet hatte. Dort wohnt jetzt die Familie seines Bruders.

Wir bekommen Tee und er stellt uns allen vor. Keine Frage wir schlafen hier. Bhopram räumt sein Schlafzimmer für uns und wir können hier 4 Tage bleiben. Nach dem Abendessen erzählt uns Bhopram viele alte Geschichten, wie es war, als die Hippies aus Europa kamen. Wie das Leben und die Umstände damals im Dorf waren. Er holt ein altes Fotoalbum heraus und zeigt uns Bilder, es ist erstaunlich wie er noch die Namen parat hat. Im Nachbardorf leben noch immer Leute von damals. Mario und Louise, ein deutsch-britisches Pärchen, Nick aus England und eine Schweizerin, die sei aber erst viel später gekommen.

Wir sind ergriffen, hier in der indischen Bergwelt, in dieser Stube Bilder von meinen Brüdern gezeigt zu bekommen.

Bhopram rutscht etwas näher zu uns und fangt leise an zu erzählen, dass er vor zwei Tagen geträumt hätte, dass Isolde und Pia nach Haripur gekommen seien und er aber mit dem Traum nichts anzufangen wusste, bis heute.

Dann schaut er mich lange an und sagt, dass er Bernd in mir erkennt und fragt mich, ob ich weiß wie er gestorben sei. „Nein, nicht richtig“, dann erzählt er uns, was er weiß und das war viel mehr, als ich jemals zu vor gehört hatte.

Spät gehen wir ins Bett, wir sind müde und voller Emotionen. Die Gefühle von heute sind nicht zu beschreiben. Ich bin sehr froh, dass wir hierhergekommen sind.

Am nächsten Morgen warten wir auf Bhopram, um gemeinsam zu frühstücken. Er hat jeden Morgen denselben Ablauf. Nach dem Aufstehen geht er in den Tempel um zu beten und um 30 Minuten Yogaübungen zu machen, dann geht er in den Laden, um sauber zu machen und alles vorzubereiten und dann kommt er zurück zum Haus, um sich zu waschen und dann zu frühstücken.

Heute wollen wir in das Nachbardorf Dasi gehen, Jürgen und Pia hatten dort ein eigenes Haus gemietet, wo sie zusammen mit Chandra, ihrer Tochter gewohnt haben.

Ramesh, Bhoprams Sohn begleitet uns und auch er muss sich ein wenig durchfragen, wo sich das Haus genau befindet. Es liegt am oberen Ortsrand und wie es aussieht, wird es gerade umgebaut. Ramesh ruft am Nachbarhaus und ein junges Mädchen kommt heraus. Es ist die Enkelin von Devi, der Vermieterin von Jürgens Haus. Ihre Oma ist auf der Baustelle und dort treffen wir sie dann.

Sie kommt aus dem Haus zu schlurfen, das Gesicht faltig und braungebrannt, sie trägt viele goldenen Ohrringe und ein Kopftuch. Über ihrem Kleid trägt sie den traditionellen Kullu Shawl mit Karomustern. Sie mustert uns eine Zeit lang und ich sage ihr dann, dass ich die kleine Schwester von Jürgen bin.

Trotz ihrer 81 Jahre kann sie sich sofort an die damalige Zeit und an Jürgen und Pia erinnern. Auch an die kleine Tochter Chandra. Sie half Jürgen damals, das kleine Kind zu versorgen, als Pia in Italien 2 Jahre wegen Drogenschmuggel einsaß.

Sie trägt ihrer Enkelin auf im Haus etwas zu holen und diese kehrt nach kurzer Zeit mit einer Fotocollage zurück. Die alte Frau wischt darüber und schaut es lange an und scheint in Erinnerungen zu schwelgen, sie sagt, dass sie noch einige Jahre lang ab und zu Post und Fotos bekommen hätte, dass das dann aber irgendwann aufgehört hätte. Auch sie möchte wissen, wie es Jürgen geht und ist sehr betroffen als sie erfährt, dass er bereits gestorben ist.

Wir dürfen noch einige Fotos mit ihr machen und verabschieden uns dann von ihr.

Auch hier hatten wir wieder ein bleibendes Erlebnis.

Tags darauf fahren wir mit Ramesh nach Manali. Wir benötigen für die Fahrt nach Leh eine Genehmigung, die wir nur in Manali bekommen und er ist uns bei den Behördengängen behilflich.

Nachdem wir dort alles erledigt haben, trinken wir noch einen Kaffee und auf dem Weg durch die City von Manali machen einen kurzen Stopp in einem Outdoor Shop, da der Eigentümer des Ladens auch aus Haripur ist. Ramesh erzählt ihm kurz, wer wir sind und was wir in Haripur machen, dann sagt uns Sunil,  dass er meinen Cousin Marcel kennt. Er und Subhash, Rameshs Onkel hätten immer mit ihm gespielt. Jeder im Dorf wollte mit Marcel spielen, da er ein Fahrrad hatte.

Wir sind wieder platt, wie sich die Menschen hier an die damalige Zeit erinnern können.

Ein Engländer names Nick, der zeitweise immer noch hier wohnt, sei gerade in Leh. Er ist mittlerweile ein bekannter Photograph hier, der viele Bücher, Landkarten und Postkarten über Ladakh veröffentlich hat. Bhopram sagt uns, dass er Bernd und Jürgen auch sehr gut gekannt hat und er in Leh wahrscheinlich im Hotel Oriental abgestiegen ist.

Einige Tage später versuchen wir dort unser Glück und treffen tatsächlich Nick Eakins, nachdem wir zuvor einen anderen Nick aus England in seinem Zimmer im Hotel Oriental mit unseren Fragen überfordert hatten.

Nick ist überrascht und freut sich als wir ihm erzählen wer wir sind und was wir hier machen. Am nächsten Morgen verabreden wir uns zum Frühstück und er erzählt uns eine Menge aus der damaligen Zeit.

Er hat in Thailand geheiratet (not a barmaid)und verbringt jeweils ein halbes Jahr dort und das Andere in Indien.

Ich bin sehr glücklich, die Reise nach Haripur unternommen zu haben und all diese Menschen getroffen zu haben, die so lange Zeit ein Teil des Lebens meiner Brüder waren. Traurig bin ich darüber, dass ich es weder ihnen noch meiner Mama berichten kann.