Vom Okavango Delta zum Lake Tanganjika

Die nächsten Tage versprechen einige Aufregung. Der Besuch des Okavangodeltas und der Victoriafälle stehen kurz bevor, Highlights auf unserer Afrikaliste.
Wir verlassen Namibia ganz im Nordosten und fahren wieder in südliche Richtung nach Botswana. Hier wollen wir uns nicht so lange aufhalten, aber das Okavangodelta möchten wir unbedingt sehen. Der Okavangofluß fächert sich hier auf und versichert im Kalaharibecken. Es ist eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas.

Der Grenzübertritt ist schnell und einfach, lediglich die ständigen Kontrollen des Kühlschrankes sind lästig. Aus Angst einer Maul- und Klauenseuche darf kein Fleisch eingeführt werden und am Zoll müssen wir auch unsere Schuhe und die Autoreifen desinfizieren.

Kurz nach der Grenze finden wir ein schönes Camp und verbringen dort den Abend. Wir können einige Elefanten beobachten und am nächsten Morgen fahren wir in den Chobe Nationalpark ein. Unterwegs hörten wir häufig, dass Botswana um diese Zeit ausgebucht sei und wir in den Nationalparks keine Übernachtungsmöglichkeiten finden würden. Die Realität sah jedoch völlig anders aus.

Für zwei Tage Chobe Nationalpark bezahlen wir 290 botswanische Pula (~ 25 €) Eintritt, inclusive Auto. Am Savuticamp fragen wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit und bekommen leicht einen Platz, allerdings kostet dieser 50 US$ und bietet überhaupt nichts. Da Savuti laut unseren Reiseführern und Aussagen von anderen berühmt für seine Raubtiere sein soll, bleiben wir hier und begeben uns auf Safari. Leider kriegen wir keine Raubtiere zu Gesicht, sehen aber Wild Dogs, die hier nur schwer zu finden sind. Auch am nächsten Morgen kreuzen wir durch die Savanne auf der Suche nach Räubern. Andere Touristen sehen wir kaum, wir sehen unheimlich viele Tiere, aber leider keine Raubkatzen. Am Abend stellen wir fest, dass unsere SD Karte im Fotoapparat eine Macke hatte und vom ganzen Tag haben wir keine Bilder. Wir sind etwas enttäuscht und fahren weiter nach Maun.

Unterwegs treffen wir auf eine Familie aus Südafrika, die mit ihrem VW Bus im Schlamm stecken geblieben sind. Seit über einer Stunde fließt der Fluss durch ihr Fahrzeug und alle Beteiligten stehen deprimiert und ratlos im Fluss herum. Die beiden 4×4 Fahrzeuge, die am anderen Ufer stehen schaffen es nicht den Transporter aus dem Schlamm zu ziehen. Wir halten kurz an, und ziehen den Bully mit unserer Seilwinde von hinten aus dem Sumpf und lösen bei den Eigentümern einen Freudentaumel aus.

In Maun campen wir im Old Bridge Backpackers und schauen dort am Abend das EM-Spiel Deutschland gegen Italien an, das die Deutschen glücklicherweise im Elfmeterschießen für sich entscheiden.

Neben uns campiert ein Paar aus Alaska und sie buchen einen Rundflug über das Okavangodelta, wir schließen uns ihnen an und so wird es für uns alle günstiger, am Nachmittag heben wir gegen 16.30 Uhr in einer kleinen Propellermaschine vom Flughafen ab und genießen einen herrlichen Rundflug mit spektakulärer Aussicht auf die Natur und die großen Tierherden im Flussdelta.

Nach unserer Rückkehr treffen wir an der Bar Joe. Sie kamen heute Nachmittag auch in Maun an und wir verbringen noch einen Tag gemeinsam dort. Die 6-köpfige Familie aus Köln hatten wir bereits im Oppi Koppi Camp in Outjo (Namibia) getroffen.

In Maun geben wir bei DHL noch unsere Unterlagen für die Visa für Sudan, Äthiopien und Ägypten auf und dann brechen wir wieder auf in Richtung Norden, bei Kasane verlassen wir Botswana wieder und eine Fähre bringt uns nach Samiba.

Am Zollhof treffen wir auf eine Schulklasse, die mit einem Bus einen Ausflug macht. Zuerst fragen uns die drei Lehrer aus und danach bitten sie uns, dass sie ihre Schüler herholen dürfen und wir zu ihnen sprechen sollen.

Wir berichten den Kindern von unserer Reise und dass wir bereits seit annähernd zwei Jahren unterwegs sind, dass unser Auto uns zu Hause ist und wir alles dabei haben. Strom, Wasser, Gas und eine Küche. Sie können das alles irgendwie gar nicht glauben und wollen die Küche sehen. Nach vielen Fragen, die wir gerne beantwortet haben steigen die Schüler wieder in ihren Bus und  für uns wir es Zeit auf die Fähre zu fahren.

Die Überfahrt dauert nur eine kurze Zeit und am anderen Ufer machen wir die Einreise nach Sambia, hier ist es deutlich nerviger, sogenannte Helper oder Fixer wollen uns helfen, die Formalitäten abzuwickeln, Geld zu wechseln und Versicherungen zu verkaufen.

Wir kaufen eine Versicherung, da wir bereits viele Geschichten von der sambischen Polizei gehört haben. Auch haben wir das Beast mit schönen reflektierenden Aufklebern hinten und vorne ausgestattet, da es auch Strafen gibt, wenn man diese Aufkleber nicht hat.

Und tatsächlich, bereits nach 5 Kilometern werden wir zum ersten Mal gestoppt und es wird die Versicherung kontrolliert, Feuerlöscher, Aufkleber, feste Schuhe, … wir haben alles und können weiter fahren.

Akkurat halte ich mich an die Geschwindigkeit, denn das neuste Spielzeug und Einnahmequellen sind Laserpistolen. Jedoch ist es äußerst schwierig zu wissen wie schnell man fahren darf, denn Straßenschilder gibt es in Sambia noch nicht.

In Livingstone bleiben wir einige Tage, besuchen die spektakulären Viktoriafälle und erleben dort live das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich.

Hier überqueren wir auch noch den Fluss und statten Zimbabwe einen kurzen Besuch ab, bevor wir weiter nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias fahren. Hier gönnen wir dem Beast noch einmal einen Service, wir wechseln Öl und alle Filter.

Wir lassen uns noch einen LHD (Left Hand Drive) Aufkleber anfertigen, denn die Polizei in Tansania beanstandet auch dies und ahndet das Vergehen mit einer Geldstrafe. Den Aufkleber bekommen wir geschenkt, aber auf der Rückfahrt zum Camp stoppt uns die Polizei. Angeblich sind wir zu schnell gefahren, die junge Polizistin möchte den Führerschein sehen und ich gebe ihr das Original. Ich versuche ihr zu erklären, dass ich mit Tempomat, bzw. Speedlimiter gefahren bin und ich sicher sei, dass ich nicht zu schnell war. Nein, nein , ich müsse zahlen, sagt sie mir. Ich erkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe, als ich ihr den Original Führerschein gegeben habe und als sie neben mir steht, schnappe ich mir diesen wieder. Jetzt ist sie aber auf der Palme und schreit. Ich gebe ihr schnell eine Kopie und ihre dicke Kollegin kommt hinzu. Nach kurzem Hin und Her sage ich, dass ich den Film, bzw. das Foto sehen möchte und muss nun zu ihren Kollegen am Straßenrand gehen. Zuerst frage ich nach dem Kalibrierungszertifikat und vergleiche die Seriennummer, es scheint alles ok zu sein. Dann frage ich nach dem Film, bzw. Foto und dann erklärt mir einer, dass sie mich manuell geblitzt hätten. Ich sage „no photo, no fine“ und dann entlassen die beiden mich mit den Worten „you can go“. Und so fahren wir ohne Strafe weiter, die uns mit rund 30 US$ auch schon sehr hoch vorkam.

Von Lusaka aus fahren wir auf schlechten Straßen, ständig auf der Hut vor Polizisten mit ihren Laserpistolen an den Lake Tanganjika. Der See ist einer der längsten der Erde und dort fährt noch das letzte Schiff des deutschen Kaisers.

1913 von der Meyer Werft in Papenburg gebaut und anschließend in 5000 Kisten verpackt und nach Afrika verladen  und 1915 unter dem Namen Graf Goetzen in Tansania zusammengebaut und zu Wasser gelassen, wurde sie dann mit einer Kanone ausgestattet und operierte als Kriegsschiff auf dem Tanganjikasee, bis 1916 das Schiff von den Deutschen selbst versenkt wurde. Es wurde von Belgiern und Engländern wieder gehoben und 1927 unter dem Namen MV Liemba wieder in Dienst gestellt und seitdem tuckert das Schiff als Fähre zwischen Samiba und Tansania auf dem See hin und her.

Dieses Schiff möchte ich sehen und laut Fahrplan soll es jeden Freitag in Mpulungu am Südende des Sees in Sambia ankommen.

Am Hafentor frage ich nach dem Schiff, aber dort heißt es,  „is not coming – repairing in Tansania“. Und laut der Aussage dauert es mindestens noch zwei Wochen. Ich bin einigermaßen enttäuscht, aber der nette Mann am Gate, sagt uns, dass wir den Hafen besichtigen können und dort liegen auch noch einige andere Schiffe.

Wir parken und gehen zu Fuß in das Hafengelände, linker Hand entdecke ich einige große Geländestapler, sowie mehrere kleine Stapler mit ca. 2 Tonnen Tragkraft. Alle stehen in Reih und Glied und scheinen neu zu sein. Als ich ein Foto machen möchte kommt ein Mitarbeiter der Securitiy und sagt, dass es verboten sei vom Equipment Fotos zu machen. Aber wir können auf die Schiffe, das sei kein Problem. Auf dem Weg dorthin, sehen wir noch zwei neue Kräne mit Kettenfahrwerk und ein Containerumschlagsgerät. Ich bin ziemlich erstaunt wie gut der Hafen ausgestattet ist, das ganze Gerät scheint neu und in gutem Zustand zu sein.

Das erste Schiff, das wir besteigen wird gerade beladen. 600 Tonnen Zement für Burundi gilt es in das Schiff zu laden und zu unserem Erstaunen werden die Trucks mit jeweils 30 Tonnen Zement von Hand abgeladen. Die Hälfte der Verlademannschaft steht auf dem Truck und bringt immer zwei Säcke á 50 Kg an die Pritschenkante, die andere Hälfte trägt die 100 kg Zement auf dem Kopf zu einer Rutsche, von wo die Säcke in das Innere des Schiffes rutschen. Im Bauch des Frachters stapeln dann einige andere Mitarbeiter die Säcke im Stauraum.

Am Rand des Schiffes sitzen drei Leute und machen Strichlisten, damit die Menge festgestellt werden kann. Von ihnen erfahren wir, dass die Aufgaben der Verlademannschaft immer nach jedem LKW wechseln, die jetzt vorbereiten, tragen beim nächsten Truck und umgekehrt. Auf die Frage, warum sie denn nicht die Stapler benutzen, erhalten wir die Antwort, dass dann ja die Leute arbeitslos würden und daher die Geräte nicht zum Einsatz kommen.

Einige Meter weiter passiert das Gleiche, nur wird hier Zucker verladen. Wir stellen uns vor, jeden Tag 100 kg auf dem Kopf zu tragen und wie die Halswirbelsäule wohl nach einigen Jahren aussehen wird.

Und wir stellen uns auch die Frage, wie sinnvoll ist die Entwicklungshilfe.

Von Mpulungu aus machen wir uns auf den Weg in Richtung Tansania, zuerst wollen wir nach Zanzibar, ein weiteres Highlight auf unserer Afrikaliste.

 

 

two years ago we’ve left our home

to explore other countries, continents and cultures, to meet old friends and make new friends.
We are happy to have seen places like Taj Mahal, Bagan, Angkor Wat, the Victoria Falls, wonderful wildlife and nature and today the wonder of the rock-hewn churches of Lalibela.


Vor 2 Jahren sind wir losgefahren

um andere Länder, Kontinente und Kulturen kennenzulernen. Um alte und neue Freunde zu treffen.
Wir sind sehr glücklich, dass wir so sagenhafte Orte, wie das Taj Mahal, Bagan, Angkor Wat, die Viktoriafälle und heute die wunderbaren Felskirchen von Lalibela besuchen konnten.

Felskirche St. Georg Lalibela

Felskirche St. Georg Lalibela

Ab in die Tropen – Inbegriff des Paradies auf Erden

Das kristallklare, türkisblaue Wasser schlägt in sanften Wellen an den schneeweißen Strand. Wir genießen wunderbar frische, exotische Getränke und schauen den karamelbraunen Girls zu, die in ihren knappen Bikinis ihre wunderbar kurvigen Körper gekonnt zur chilligen Musik bewegen. Die Sonne steht hoch am azurblauen Himmel, aber wir liegen bequem im Schatten einer Palme.

Ja, so oder so ähnlich stellen wir sie uns doch vor, die Tropen. Als wir auf der B1 in Richtung Windhuk den südlichen Wendekreis überqueren und damit die Tropen erreichen, ist jedoch von alledem noch nichts zu erkennen. Eine Haltebucht mit einem Schild an einer staubigen Landstraße, so sieht also der Eingang zu den Tropen aus.

WendekreiseDer südliche Wendekreis ist der südlichste Breitenkreis, an dem die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht, nämlich nur am 21. oder 22. Dezember, dem Tag der Sommersonnenwende der Südhalbkugel. Er ist der Breitenkreis bei 23° 26′ 5″ südlicher Breite. Im Sinne der tropischen Tierkreiszeichen bzw. auch nach dem Sternbild der Ekliptik, in dem die Sonne bei Einführung der Sternbilder in der Antike zur Sonnenwende stand, wird der südliche Wendekreis auch „Wendekreis des Steinbocks“ (lat.: tropicus capricorni, engl.:Tropic of Capricorn) genannt.

In Windhuk bleiben wir einige Tage und erledigen den Tax Refund und lassen unseren Rammbügel schweißen.  Auf der Suche nach einer geeigneten Werkstatt spricht uns Rolf an, auch er fährt einen Mercedes G und hat in Windhuk die Stahlbaufirma Nirosta. Wir vereinbaren für den darauffolgenden Tag einen Termin und sind pünktlich dort. Ein Mitarbeiter macht alle notwendigen Vorarbeiten und als er anfangen will zu schweißen ist leider Stromausfall, der den ganzen Tag über andauert. So kommen wir am übernächsten Morgen noch einmal, da morgen auch noch Feiertag ist. Rolf ist „Südwestler“ in der 4. Generation und in den 90er Jahren hat er auch mal einige Zeit in Deutschland gearbeitet, aber es hat ihn wieder zurück nach Afrika gezogen, wo er dann die Stahlbaufirma übernommen hat.

Wir möchten auch noch unseren Schonbezug vom Auto reparieren lassen, durch das ständige Ein- und Aussteigen ist die Naht auf der Seite wieder aufgerissen. Wir haben schon selbst repariert und auch in der Türkei und in Indien haben Schneider diverse Flicken draufgemacht. Jemand empfiehlt uns die Sattlerei Gerber. Als wir das Geschäft betreten, werden wir direkt auf Deutsch angesprochen. Eine Mitarbeiterin schaut sich die Sitzbezüge an und sagt uns dann, dass sie solche Arbeiten nicht ausführen. (Anm. des Autors: hier wird nur Qualitätsarbeit auf höchstem Niveau seit 1930 gemacht, ein „made in China“ Stoffbezug wird hier nicht ausgebessert)

Auf diskrete Nachfrage, ob es sonst jemand machen könnten, kriegen wir die Nummer von Sakki, der für kleines Geld einen weiteren Flicken draufnäht.

Am Abend zieht es uns in Joe’s Beerhouse, wo wir uns mit Rinus und Helga treffen. Die beiden hatten wir bereits in Capetown getroffen und möglicherweise können wir ein Stück gemeinsam fahren. Es wird ein lustiger Abend und am nächsten Morgen ziehen die beiden auch auf unseren Campingplatz  Urbancamp um. Die beiden haben sich für eine TV Produktion in Botswana beworben und wenn das nicht klappen sollte, so beschließen wir, dass wir dann gemeinsam in das Koakoland fahren. Das ist der einsame Nordwesten Namibias und alle Reiseführer und Guidebooks raten dazu, nicht alleine in diese verlassene Gegend zu fahren. Im Falle einer Panne ist mit Hilfe dort nicht zu rechnen.

So trennen sich erst einmal unsere Wege wieder und wir fahren an die Atlantikküste nach Walvis Bay. Es ist ein gemütliches Städtchen mit einem geschäftigen Hafen. An der Promenade entdecken wir einen großen, bunten Truck mit holländischem Kennzeichen. Wir fahren hin und treffen Nelke und Frans mit ihren beiden Söhnen. Sie sind gerade in Walvis angekommen, per RORO (Roll on Roll off) Schiff von Europa. Sie planen 7 Jahren durch Afrika zu fahren. Wir kommen ins Reden und Nelke macht uns einen Kaffee, Frans zeigt uns den Truck und gibt uns noch den Hinweis, dass wir zum Pelican Point fahren könnten.

Wir schauen uns jedoch zuerst im Städtchen um und entdecken die Bäckerei von Willy Probst. Die Kuchenauswahl ist fantastisch, wir können uns gar nicht entscheiden und verlassen die Bäckerei mit Schwarzwälder Kirschtorte, Apfel- und Käsekuchen. Wir fahren auf unseren Platz, machen Kaffee und essen den köstlichen Kuchen. Es schmeckt fast wie zu Hause, wir haben auch noch ein Berner Brot mitgenommen und versucht der Verkäuferin zu erklären, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz ist.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Pelican Point, die letzten 15 Kilometer geht es am Strand entlang auf eine einsame Landzunge. Dort befinden sich ein etwas heruntergekommenes Hotel und tausende von Seehunden. Es riecht gewaltig nach den Tieren, wir halten an und machen einige Fotos. Es sieht so aus, als ob die Kolonie mehrere Wächter postiert hat und sobald wir zu nahe kommen, geben diese ein Signal und die ganze Kolonie jagt ins Wasser. Auch ein kleiner Schakal zeigt sich und dann geht es zurück nach Walvis, einmal droht das Beast im Stand stecken zu bleiben, aber der Motor hat glücklicherweise genügend Kraftreserven um sich auch dort hindurch zu wühlen. Den Reifendruck hatten wir zuvor schon auf ca. 1 bar abgelassen. Der Reifen wird dadurch viel länger und durch die vergrößerte Auflagefläche lässt es sich im Sand leichter fahren. Es ist erstaunlich was das Luft ablassen bewirkt.

Wir fahren noch zur Düne 7, dort präsentiert Toyota das neuste Hillux Modell der Öffentlichkeit. Es stehen 25 Hillux bereit und ca. 60 internationale Journalisten werden durch die Dünen gefahren. Wie wir erfahren ging das bereits die ganze Woche so. Leroy Poulter, Toyotapilot bei der DAKAR Rally und 5. des diesjährigen Wettbewerbs ist mit seinem Rally-Fahrzeug auch vor Ort und beeindruckt die Journalisten zusätzlich.

An der Düne versuchen sich auch noch Van Byt Fahrer in Extrembuggies. Auf dem angelegten Parkour wühlen sich die Fahrzeuge durch den Sand. Wir beschließen die Düne zu verlassen und fragen, ob wir uns einer Tour zum Sandwich Harbour anschließen können.

Jan fährt in einem Defender eine amerikanische Familie zu diesem Ort südlich von Walvis, ein portugisischer Seefahrer hatte diesen natürlichen Hafen vor hunderten von Jahren entdeckt. Der Hafen wird nicht mehr benutzt und liegt in einem  Naturschutzgebiet, es gibt keine Straße dorthin, nur durch die Dünen und am Strand entlang.

Wir lassen wieder die Luft aus den Reifen und folgen Jan, wir haben ein Funkgerät und bei schwierigen Passagen gibt uns Jan eine entsprechende Information. Er ist 4×4 Instructor bei Landrover und meint, dass ihm nur ein Mercedes G folgen könnte. Privat besitzt er ein seltenes Landrover Modell, aus den Zeiten, als BMW dort noch das Sagen hatte und eine Sonderserie mit einem M3 Motor ausstattete.

So fahren wir los und unterwegs treffen wir noch zwei Nissan Patrol mit vielen Chinesen. Die Fahrt am Strand entlang ist atemberaubend schön. Man muss auf die Gezeiten achten, dass man am Strand Platz hat zum Fahren. Die Dünen erheben sich direkt am Strand, die Farben ändern sich ständig und auf einmal erscheint alles rubinrot. Jan erklärt uns, dass es hier im Wasser den Halbedelstein Garnett gibt, dieser von Wasser und Sand kleingemahlen an den Strand gespült wird und daher die Farbe kommt. Wir passieren einen angespülten Wal, dieser liegt jedoch schon seit einigen Monaten hier und geruchsbedingt halten wir nicht an. Ein verlassenes Fischerdorf kann sich auch nicht gegen den Sand behaupten und ist mittlerweile fast unter den Dünen verschwunden. Am Sandwich Harbour angekommen, machen wir eine Pause, fotografieren und beobachten die Flamingos.

Der Rückweg führt durch die Dünen, die erste Abfahrt ist gewöhnungsbedürftig, es geht aber besser, als gedacht. Die Dünen sind steil und wir lassen das Beast mit Untersetzung und im ersten Gang hinuntergleiten. Bremsen vermeiden wir, da das Fahrzeug dann in den Sand einsinkt und daher die Gefahr des Steckenbleibens droht. Diese Erfahrung macht zuerst einer der beiden Nissan Patrols, er bleibt am Kamm einer Düne stecken. Jan und wir sind bereits unten, nach einigen erfolglosen Befreiungsversuchen kommt ein junger Chinese herunter und holt unseren Spanngurt. Der Weg nach oben ist ein Vielfaches mühsamer. Oben angekommen wird der Spanngurt angebracht und der andere Nissan zieht den Havaristen ein Stück zurück. Mit etwas Anlauf gelingt es dann ganz herauf zu fahren und anschließend zu uns herunter.

Kurz vor Ende der Tour bleibt der zweite Nissan stecken. Jan lässt den Fahrer aussteigen und er schafft es, das Fahrzeug wieder frei zu kriegen. Im Rückwärtsgang und mit heftigem hin und her lenken setzt er den Geländewagen ein ordentliches Stück zurück und mit Anlauf fährt er auf die letzte Düne. Dort oben wird noch ein Gruppefoto gemacht und auf Wunsch der Chinesen vor dem Mercedes. Sie sind von der Leistungsfähigkeit unseres G voll überzeugt.

Nach 4 Tagen verlassen wir Walvis wieder und fahren an der Küsten entlang nach Swakopmund, dem wichtigsten Urlaubs- und Erholungsort Namibias. Der Ort liegt eingebettet wie eine Oase in der ältesten Wüste der Welt, der Namib. Die deutsche Geschichte dieser Stadt spiegelt sich auch in ihren historischen Gebäuden wieder und immer wieder hört man den Begriff „Klein Hamburg“.

Am 04. August 1892 landete das deutsche Kanonenboot „Hyäne“ am Nordufer des Swakop River und die Besatzung unter der Führung ihres Kapitäns Curt von Francois errichtete auf einer Düne zwei Leuchtfeuer. Das 33 km südlich gelegene Walvis war unter britischer Kontrolle und andere geeignete Anlegestellen gab es nicht. Hier an der Flußmündung war Frischwasser vorhanden, jedoch bot der Strand keinerlei Schutz für die vor Anker liegenden Schiffe. Swakopmund war gegründet und ein Jahr später wurden 40 Siedler und 120 Soldaten der Schutztruppe an Land gebracht. Die Siedler errichteten zuerst Höhlen am Strand um sich vor dem Wetter zu schützen. Die schnelle Entwicklung im Landesinnern hatte einen erweiterten Schiffsverkehr zur Folge, der wiederum die Nachfrage nach einem besseren Anlegeplatz mit sich brachte. Eine Mole sollte diesem Zweck dienen, aber das geschah nicht ohne heftige Meinungsverschiedenheiten. In hitzigen Debatten erwog man die Möglichkeiten einer Landungsbrücke oder eines steinernen Anlegeplatzes. Schließlich entschied man sich für das künstliche Hafenbecken. In der Zwischenzeit geschah das Entladen mit speziellen Booten, die nur von einem  liberianischen Stamm gehandelt werden konnten. Die Woermann Linie beschäftigte bis zu 600 Stammesangehörige, um den Warenstrom bewältigen zu können. 1896 bot die Woermann Linie einen zweimonatlichen Service und ab 1899 einen monatlichen Service nach Swakopmund an. Bedingt durch Materialmangel wurden die meisten Häuser der Siedler in Deutschland konstruiert, vorgefertigt und per Schiff nach Deutsch-Südwest verladen.

Ende 1898 kam der Architekt F. W. Ortloff  nach Swakopmund und sollte die Vorbereitungen zum Molebau überwachen. Seine Aufgaben schlossen die Konstruktion eines Wassersystems für die Produktion von schweren Betonblöcken ein, die Gründung eines nahegelegenen Steinbruchs, das Anlegen einer kleineren Bahnstrecke und er musste sich um die Einstellung der Arbeiter kümmern. Es dauerte ungefähr zehn Monate, bis die Vorbereitungen abgeschlossen waren.

Der Grundstein zur Mole wurde am 2. September 1899 gelegt, der stabile Schutzwall, der die Wellen brechen sollte, wurde unter schier unmenschlichen Bedingungen geschaffen. 375 m erstreckte sich das Bauwerk ins Meer, das Querstück am Ende hatte eine Länge von 35 Metern, der Molebau übertraf die errechneten Baukosten und belief sich auf 2,5 Millionen Mark.

Die ersten 6 Passagiere landeten am 30. Januar 1901 an der noch nicht fertiggestellten Mole. Die Einweihung fand am 12. Februar 1903 im berühmten Hotel Bismarck statt.

Zwei Jahre lang konnte die Mole das Abladen der Frachtgüter vereinfachen. Die Schiffe lagen vor Anker, während Schleppkähne und Barken die Güter an Land brachten. Drei dampfbetriebene Kräne nahmen die Güter entgegen und eine Schmalspurbahn verfrachtete sie weiter.

Schließlich versandete die Mole, denn der süd-nördliche Meeresstrom lagerte große Mengen an Schlick an der Südseite des Steinwalls ab, bis über den Molenkopf hinaus. Am Eingangskanal zur Mole entstand eine Sandbank und ab Juli 1904 konnten die Schleppkähne nur noch bei Flut ins Molenbecken einfahren.

Mit teilweise bis zu 20 Dampfschiffen vor Anker wurde ein 24 Stundendienst zum Abladen dringend erforderlich. Die weitere Ablagerung von Sand konnte nicht verhindert werden, obwohl man versuchte, das Becken freizubaggern. 1905 kam der Dienst zum Abladen der Schiffe zum völligen Stillstand. Ein Jahr später war die Mole vollständig versandet und der deutschen Regierung blieb nichts anderes übrig, als den Bau einer hölzernen Landungsbrücke zu erwägen.

1916 wurde die Mole als Badeplatz entwickelt und am 11. Januar 1917 fand das erste Wettschwimmen statt.

1904 wurde die hölzerne Landungsbrücke geplant und die Truppen der zweiten Eisenbahnkompanie wurden beauftragt diese zu errichten. Im April 1905 konnte diese zum ersten Mal benutzt werden, gerade rechtzeitig, denn die Mole war unbrauchbar geworden.

Die 2. Eisenbahnkompanie war in der alten Kaserne untergebracht und es wird behauptet, dass die Alte Kaserne den Mythos des traditionellen Südwester Biertrinkers begründet habe, denn als das Gebäude restauriert wurde, wurden tausende leerer Bierflaschen unter dem Holzfußboden gefunden.

Wir errichten unser Camp bequem neben der Tiger Reef Bar, wo man direkt am Strand gemütlich Bier trinken und was nettes essen kann. In der Stadt kaufen wir uns in einer deutschen Buchhandlung einen Führer über die historischen Gebäude und ziehen am nächsten Tag durch die Stadt und schauen uns alles in Ruhe an. Die alte Gerberei wurde leider abgerissen, dafür finden wir aber den Nachfolger ‚African Leather Creations‘, wo ich ein paar Vellies aus Kuduleder finde, als Ersatz für meine kaputten Trekkingschuhe.

In der Zwischenzeit haben wir von Helga und Rinus die Nachricht bekommen, dass ihre TV-Dokumentation gestrichen wurde und wir nun zusammen durch den einsamen Nordwesten Namibias fahren können. Wir treffen uns im alten deutschen Fort in Sesfontain (sechs Quellen), dies wurde 1896 erbaut, um deutsche Soldaten zu beherbergen, die die Tierbewegungen kontrollieren sollten, da eine schwere Rinderpest ausgebrochen war. Im 1. Weltkrieg wurde das Fort zerstört und in den 1980er Jahren wiederum von einem Deutschen renoviert und zu einem Gästehaus umgebaut.

Hier gibt es noch ein paar kleine Läden und eine Tankstelle. An der Tankstelle arbeitet eine schwangere Frau als Tankwart, ihre Hände sind voller Treibstoff. Ich schenke ihr ein Paar Schutzhandschuhe, die sie sofort freudestrahlend anzieht und mir stolz ihre Hände zeigt. Ich ziehe ihr dir Handschuhe aber noch einmal aus und zeige ihr, dass die Gummiseite auf der Handfläche und das Stoffteil auf dem Handrücken sein soll. Als wir losfahren winkt sie uns mit beiden Händen hinterher.

Mit vollen Tanks brechen wir noch am gleichen Nachmittag auf in die Wildnis. Wir fahren westwärts in Richtung Kaokoland, der Heimat der Himbas. Im äußersten Nordwesten Nambias gelegen, lockt uns diese unwirtliche Bergwüste mit ihrer faszinierenden Landschaft und ihren Bewohnern. Im Norden grenzt das Gebiet an den Kuenefluss, der Grenzfluss zu Angola, im Westen liegt die Skeleton Küste und im Osten der Etosha Nationalpark und das Land der Ovambo, im Süden das Damaraland.

Die erste Nacht verbringen wir in dem ausgetrockneten Flußbett des Hoanib, wir sind etwas nervös, denn hier gibt es auch Löwen. Die 5 Musketiere sind eine landesweit bekannte Gruppe von Löwenmännchen, die hier in der Umgebung ihr Revier haben. Am Nachmittag treffen wir auf einen gut ausgerüsteten Toyota und Dr. Philip (Flip) Stander, er beobachtet die Brüder seit ihrer Geburt.

Am Abend machen wir ein schönes Lagerfeuer und Rinus beginnt damit seine Bohnen zu kochen, die er für den Trip gekauft hat. Er hat 4 Packungen der trockenen Bohnen gekauft, aber auch am Ende des Abends sind sie noch hart wie am Anfang. Er liest nochmal die Packung und dort steht nur drauf, „so lange kochen, bis die Bohnen weich sind“. Wahrscheinlich wurde auf die Zeitangabe bewusst verzichtet.

Wir erwachen am Morgen und leben noch, glücklicherweise sind wir von den Löwen nicht gefressen worden. Wir fahren weiter, machen eine Pause an einem Wasserloch, wo wir ein paar Tiere beobachten können. Das Fahren macht Spaß, die Pisten sind meist sandig und weich und das „Wellblech“ hält sich in Grenzen, trotzdem ist das Öl unseres linken Stoßdämpfers ausgelaufen. Wir sind zuerst etwas verunsichert, aber wir fahren weiter und am Abend campen wir wieder in einem fast trockenen Fluss, dieses Mal im Bett des Hoarusib. Das Flussbett ist bekannt als Route für die Elefanten dieser Gegend und auch Löwen soll es hier geben.

Gegen Mitternacht werde ich von Annette leise geweckt, sie flüstert „Elefanten“ und tatsächlich hören wir sie. Kein Elefantengetrampel , sondern ein tiefes Grummeln ist hörbar. Wir lauschen in die Nacht und schauen aus unserem Zelt in die schwarze Nacht. Wir hatten extra das Zelt offen gelassen, für den Fall, dass in der Nacht oder am Morgen Tiere in die Nähe kommen.

Wir können jedoch kaum etwas erkennen, wir hören aber die Elefanten fressen. Sie knicken Sträucher und junge Bäume ab und das Knacken des Holzes ist deutlich zu vernehmen. Es wird uns nun etwas unheimlich, denn die Dickhäuter kommen eindeutig näher, was tun sie wohl, wenn wir in ihrer Route stehen, schießt es uns durch den Kopf. Sie sind nun sehr nah an uns dran und wir meinen in der Dunkelheit zwei große Elefanten mit einem Baby erkennen zu können. Sie drehen nun etwas ab und gehen zum Rinnsal des Hoarusib, es kommt uns fast wie eine halbe Ewigkeit vor, die sie dort verbringen. Sie saufen und scheinen sich im Wasser zu wälzen, dann endlich können wir hören wie sie weiter ziehen, auf ganz leisen Sohlen machen sie sich davon.

Wir sind ganz aufgeregt und es dauert eine ganze Weile bis wir wieder einschlafen können. Am Morgen begutachten wir die Fress- und Fußspuren der Elefanten.

Etwas später treffen wir die drei Dickhäuter wieder als wir auf dem Weg nach Puros sind. Das Baby scheint erst wenige Tage alt zu sein und die Mutter wirkt etwas nervös, als wir einige Fotos machen.

Wir wollen im Kaokoland noch eine Schule besuchen. Helga und Rinus hatten eine Spanierin kennengelernt, die dort freiwillig einige Monate verbringt. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf ein paar Himbas, die uns von ihrem Brunnen Wasser geben, Rinus gibt ihnen dafür seinen Bohnen und wir ihnen ein paar Seifen, die wir unterwegs in Gästehäusern mitgenommen haben.

Das Gelände wird felsiger, je weiter wir in den Norden kommen. Die Bergpassagen sind teilweise sehr steil. Oftmals sind die Tracks wie Kanäle, so dass man wenig Auswahl hat, wie man fährt. Oder man hat die Wahl zwischen tiefen Löchern oder herausstehenden Steinen. Einmal sitzt Rinus auf, aber nach kurzem Graben ist sein Toyota wieder frei und wir erreichen die Omuhonga School.

Angelis, die Spanierin besuchte die Schule während ihres Urlaubs und war sehr betroffen. Normalerweise lebt die 36-jährige Biologin in New York und hat einen gut bezahlten Job in der Krebsforschung. Sie nahm sich aber 3 Monate Zeit, um hier im Niemandsland der Himbas an dieser Schule als Lehrer zu arbeiten. Sie zeigt uns alles und stellt uns dem Direktor vor, dieser weist uns eine Stelle an, wo wir unsere Zelte aufschlagen können und meint, dass wir morgen etwas mit den Kindern unternehmen sollten, sie könnten an einem Tag von uns mehr lernen, als von den Lehrern in einer Woche. So überlegen wir uns am Abend, was wir mit den Kindern machen könnten und entscheiden uns für 4 Stationen, die die 4 Gruppen im Wechsel durchlaufen sollen. Rinus spielt mit den Kindern eine Art Fußball, statt Tore haben jedoch die Spieler ein Steinhaus und dieses gilt es zu schützen. Bei Helga tanzen die Kinder zu Macarena und dem Ketchup Song, bei Annette wird die Weltkarte erklärt und die Kinder bringen anschließend ihre Reiseideen mit dem Buntstift aufs Papier. Zum Schluss können sie bei mir Boule spielen und sich auf der Slackline beweisen, die wir mit unseren Berge- und Spanngurten aufgebaut haben.

Beim Direktor geben wir unsere Gastgeschenke ab: Reis, Salz, Kartoffeln und vieles mehr. Angelis hatte uns zuvor gebeten etwas zu essen mitzubringen und tatsächlich bei der täglichen Speisung wissen wir warum. Pro Kind gibt es täglich 80 Gramm Maisbrei mit Zucker, tagein tagaus.

Bevor die Essensausgabe beginnt danken sie Gott für die Gaben, diszipliniert stehen die Kinder in einer Reihe vor einem großen Topf und jeder holt sich seine Portion ab, in aufgeschnittenen Kanistern, auf einem Stück Holz oder wie auch immer. Gegessen wird traditionell mit den Händen. Was uns aber noch mehr Sorgen bereitet ist die Wasserversorgung. Die Solarpumpe am Brunnen arbeitet nur tagsüber und außer den Schülern, muss auch noch das nahegelegene Dorf und sämtliche Tiere mit diesem Wasser versorgt werden. Wir lesen während der zwei Tage die Zählerstande der Wasseruhr ab und stellen fest, dass jeder Person weniger als 20 Liter Wasser zur Verfügung stehen. Die Tiere sind da noch gar nicht berücksichtigt.

Annette versorgt einem kleinen Jungen noch eine Wunde am Fuß und einem anderen schenken wir ein T-shirt, da er außer seiner Hose und seiner Jacke nichts besitzt. Seine Freude spiegelt sich in seinen Augen wider.

In der Schule sind außer den Himbas auch noch Lembas, die ursprünglich in Angola beheimatet sind. Traditionell tragen beide Stämme einen Lendenschurz, aber in der Schule müssen sie während des Unterrichts auch Oberteile tragen. Am Abend werden wir in das „Hostel“ eingeladen, hier schlafen die Kinder, getrennt nach Mädchen und Jungen. Als wir dort eintreffen ist jedoch alles sehr gemischt, die Mädchen tanzen und die Jungs schauen und versuchen immer wieder mal zu grabschen. Trotz jährlicher Aufklärung, HIV Workshops und Familienplanung werden viele der Mädchen aber schon mit 14 schwanger. Dies wundert uns jetzt nicht mehr so sehr.

Einige Tage später berichtet uns Angelis, dass nach einem weiteren Besuch von Europäern, die noch Hühner mitgebracht hatten, die Kinder etwas anderes zu essen bekamen. Es sei ein Festmahl gewesen; wir können es uns bildlich vorstellen.

Unser weiterer Weg führt uns zu den Epupafalls am Kuene River, von dort können wir nach Angola blicken. Die restliche Strecke nach Ruacana wurde erneuert und wir kommen schnell voran. Nach 8 Tagen Koakoland sind wir zurück in der „Zivilisation“. Opuwo ist eine Stadt, wo wir sämtliche Stämme treffen, Ovambos, Herreros, Himbas, Lembas, Damaras und Weiße. Es ist schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man in einem Supermarkt an der Kühltheke nach Butter schaut und eine halbnackte Himbafrau daneben steht.

Wir bleiben einige Tage in Opuwo, denn wir warten auf die Reisegruppe der VHS Zell unter der Leitung von Franz Hoch. Am Abend treffen wir dann Annettes ehemalige Chefin Magdalena Blessing mit ihrem Mann Gustav. Wir essen gemeinsam mit ihnen zu Abend und lassen diesen an der Bar ausklingen.

Helga und Rinus fahren derweil schon nach Kamanjab, dort kann man als Overlander bei „Oppi Koppi“, einem Belgier umsonst stehen. Nach den schönen Tagen zusammen, haben wir beschlossen noch gemeinsam durch den Etosha Nationalpark und durch den Caprivistrip zu fahren.

Einige Tage später treffen auch wir im Oppi Koppi ein und treffen zu unserer Freude nicht nur Helga und Rinus wieder, sondern auch Nelke und Frans mit ihren beiden Söhnen.

Außerdem treffen dort noch Joe und Michaela aus Köln mit ihren 4 Kindern ein. Sie haben sich 4 Monate Auszeit genommen und in Südafrika einen Landrover mit Offroadhänger gekauft und touren durch das südliche Afrika.

Wir bleiben ein paar Tage und ich kümmere mich um den ausgelaufenen Stoßdämpfer. Rolf aus Windhuk besorgt mir zwei und lässt diese per Express zur Weimann Garage nach Outjo liefern. Obwohl wir uns nur zweimal in Windhuk gesehen haben, vertraut er uns und wir können die Kosten auf sein deutsches Konto überweisen.

In Outjo lesen wir in der Zeitung, dass wohl Viehzüchter einen der 5 Musketiere erschossen und einen anderen schwer verletzt haben. Wir sind schwer enttäuscht, dass die Bevölkerung immer noch nicht begriffen hat, dass diese Tiere ihr touristisches Kapital sind.

Gemeinsam mit den Holländern fahren wir durch den Etosha Nationalpark, wir sehen zweimal Nashörner und auch diese sind immer noch stark von Wilderern geplagt, denn für ihre Hörner werden auf irgendwelchen Märkten utopische Summen bezahlt.

Wir übernachten im Halali Camp und verbringen die halbe Nacht am Wassserloch Moringa. Wir versuchen uns gegenseitig wach zu halten, aber immer wieder nicken wir ein. Einmal schreckt uns ein Honigdachs auf, als er eine Blechtonne umschmeißt.

Wir entscheiden uns für einen Umweg durch das Land der Buschmänner und den Khaudum Nationalpark. Wir fahren nach Grootfontain (große Quelle) und besuchen dort noch den Hoba Meteorit. Dieser ist der größte bekannte Meteorit auf der Erde und ist vor ca. 80.000 Jahren auf der Erde gelandet. Er wiegt ca. 60 Tonnen und besteht aus 84 % Eisen und 16 % Nickel, wissenschaftlich wird er als nickelreicher Ataxit bezeichnet.

Von Grootfontain aus fahren wir nun ganz in den Osten des Landes, bis zur botswanischen Grenze. Dort übernachten wir noch einmal in Tsumke und wollen am nächsten Morgen in den Khaudum Nationalpark. Seit einigen Tagen hatten wir ein seltsames Geräusch im Bereich des Handschuhfaches und in Tsumkwe wollten wir nun endlich wissen, was das ist. Ich baue das Handschuhfach aus und wir machen eine Probefahrt. Auf der Wellblechpiste hören wir es deutlich, aber wir sehen nichts. Nun stellt sich Annette auf das Trittbrett und schaut während der Fahrt von außen und dann entdecken wir den Riss in der Karosserie . Dort wo die Motorhaube angeschraubt ist fängt das Blech der Karosse an auszureißen. Eine schöne Bescherung, aber so möchte ich nicht weiterfahren und wir beschließen zurück nach Grootfontain zu fahren. Dort habe ich einen Karosseriebauer gesehen, dessen Hauswand das Glasurit Logo zierte und schließlich habe ich für diese Firma mal gearbeitet. Nur Profis verwenden diese Autolacke und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch der Originallack des Beasts aus der Produktion von Glasurit (BASF) stammt.

Rinus und Helga warten einen Tag in Tsumke und wir brechen morgens um 06.00 Uhr auf, kurz nach 09.00 Uhr sind wir in Grootfontain und die Jungs von Fickies Bodyshop machen sich sofort an die Arbeit. Abmontieren, Karosserie richten, schweißen, schleifen, spachteln, grundieren und lackieren. Um halb drei machen wir uns auf den Rückweg und kurz nach Einbruch der Dunkelheit sind wir zurück in Tsumkwe.

Der Khaudum Nationalpark liegt an der Grenze zu Botswana, diese ist nicht durch einen Zaun gesichert, sodass die Tiere zwischen diesen beiden Ländern hin und her ziehen können. Auf botswanischer Seite liegt das Okavangodelta und ist bekannt für seine großen Herden. Im Khaudum Nationalpark soll es große Herden von Elefanten geben.
tachoDadurch, dass der Park sehr abgelegen liegt kommen nur wenige Besucher hierher, auch sind die Wege sehr schlecht und auf der Karte wird extra darauf hingewiesen. Dafür ist der Eintrittspreis ein wahres Schnäppchen, keine 5 Euro und campieren im Sikaretti Camp ist umsonst. Hier treffen wir ein Ehepaar aus Südafrika, die von Norden her kommen, er erzählt uns von wahnsinnigen Spurrillen und tiefem Sand. So starten wir am nächsten Morgen mit großem Respekt vor der Strecke, aber wir kommen gut durch uns sehen wirklich unglaublich viele Elefanten, leider verziehen sich alle anderen Tiere, wenn der Elefant kommt und so sehen wir auch hier keine Großkatzen. Wir verlassen den Park und suchen einen schönen Platz zum übernachten. Heute ist Annettes Geburtstag und wir machen eine Flasche Sekt auf, die wir seit Windhuk mit uns herumtragen.

Auf dem Weg durch den Caprivistreifen machen wir noch einen Abstecher in den Mudumo Nationalpark. Dieser Park ist wirklich ein Besuch wert, er ist klein und unbekannt. Wir treffen keine anderen Besucher, finden aber eine schöne Stelle am Kwando River und bleiben 2 Nächte dort. Es ist ein wunderschönes Fleckchen Erde, aber sobald die Dunkelheit eintritt, beginnt es für uns unheimlich zu werden. Ein Nilpferd kommt immer näher und will bei uns an Land, glücklicherweise überlegt es sich doch nochmal anders und schwimmt langsam weiter.

Wir grillen ein paar Steaks auf dem Feuer und als wir gerade anfangen möchten zu essen, vernehmen wir den König der Tiere. Hhmmm, sollen wir lieber im Auto essen. Wir entschließen uns draußen sitzen zu bleiben, legen zur Sicherheit aber nochmal gewaltig Holz nach.

Wir liegen bereits im Zelt, als gegen 23 Uhr etwas an unserem Lagerplatz vorüberjagt, kurze Zeit später durchdringen schauerliche Schreie die Nacht. Die Affen ringherum sind in heller Aufruhr und schreien auch noch zusätzlich in die Nacht. Nach etwa einer halben Stunde ist der (Überlebens-)Kampf vorüber und es kehrt wieder Ruhe ein.

Am Morgen geht die Sonne auf und der Fluss fließt so friedlich dahin, wir frühstücken und machen dann das Feuer aus, es hat die ganze Nacht hindurch gebrannt und die Glut ist immer noch gigantisch. Wir holen viele Male Wasser aus dem Fluss, um es aus zu machen, aber der Schlamm um das Feuer beginnt nun zu brodeln. Es war wahrlich ein Höllenfeuer.

Die restliche Fahrt durch den Caprivistreifen verläuft ruhig und wir erreichen die Stadt Katima Mulilo, dort bleiben wir einige Tage um uns zu waschen, das Auto zu reinigen und die Vorräte aufzufrischen. Außerdem erledigen wir den ganzen Papierkram für die letzten Visa für Äthiopien, Sudan und Ägypten.

Dann heißt es Abschied nehmen von Helga und Rinus, wir sind solange zusammen gefahren und hatten eine super schöne Zeit in Namibia. Die Tropen sind schön, aber völlig anders als wir sie uns immer vorstellen.

great day

Today is a great day for us, we are back in the nothern hemisphere. We have crossed the Equator in Kenya and we have reached our friends at Rainbow in Kampala/Uganda …

… and we are travelling since 700 days. Incredible!!

Welcome at Rainbow

Welcome at Rainbow

Equator in Kenya

Equator in Kenya

crossing the equator

crossing the equator

Wüste, Staub und Diamanten

Regen prasselt auf unser Zelt, der elektrische Heizlüfter glüht und bläst kontinuierlich heiße Luft unter unseren Frühstückstisch. Wir schlürfen dampfenden Kaffee und beratschlagen uns, ob wir heute den Grenzübertritt nach Namibia wagen sollen. Es ist Freitag und wir wollen an der Grenze für einige Dinge, die wir in Südafrika gekauft haben die Steuer zurück, daher verlassen wir kurz vor Mittag Springbok in Richtung Namibia.

Der Übertritt ist problemlos, es gibt lediglich kurze Unsicherheiten, wie das Carnet gehandhabt werden soll. Botswana, Namibia und u. a. Südafrika haben sich zu einer Zollunion zusammengeschlossen und die Frage war nun, ob das Carnet in Südafrika oder erst, wenn wir die Zollunion verlassen, ausgestempelt werden soll. Am Ende erhielten wir einen Stempel und wir ließen das Carnet in Namibia wieder einstempeln. Aufgrund anderer Posts im Internet haben wir zu diesem Thema den ADAC befragt und diese Antwort erhalten:

„ … in der Regel ist die Zollunion wie die EU, d.h. Sie können ein- und ausreisen wie Sie möchten. Somit ist der Zöllner nicht verpflichtet, die Ein- und Ausreise von Südafrika nach Namibia zu stempeln. Allerdings sollten Sie bitte unbedingt beachten, dass Sie somit für eine „echte“ Ausreise aus der Zollunion nach Simbabwe oder Mosambik reisen müssten.“

Wir haben auf der weiteren Reise dann jedes Land für sich ein- und ausstempeln lassen.

Die Steuer, die wir zurück haben wollten, kriegen wir leider nicht ausbezahlt. Land- und Luftverkehr unterscheiden sich auch hier deutlich. Dafür erhalten wir ein Merkblatt und eine Adresse in Windhuk, wo wir die Auszahlung beantragen können. Allerdings mussen wir auch noch mit einem Grenzspediteur ein Ausfuhrdokument erstellen, das der südafrikanische Zoll dann abgestempelt, so dass wir einen Nachweis haben, dass die Produkte auch wirklich ausgeführt wurden. Der namibische Zoll verzichtete auf ein Einfuhrdokument und versieht das Ausfuhrdokument mit dem Stempel „IMPORTED“.

In Aussenkehr verbringen wir das Wochenende. In unserem Handbuch für Namiba ‚Road Tripping Namibia‘ finden wir einen Hinweis auf den King’s Throne Canyon und fragen an der Rezeption der Norotshama Campsite nach Details. Wir benötigen eine Permit, die 145 Rand kostet und dann können wir losfahren. Wir erhalten einen Schlüssel für das Gate und eine vage Routenbeschreibung.

Im Canyon sind wir ganz alleine und wir finden eine schöne Stelle, an der wir die unsere Drohne aufsteigen lassen und Videoaufnahmen machen. Unsere Blicke hängen an der Drohne bis der Akku leer ist, wir landen die Drohne und erschrecken uns kräftig. Um unsere Füße herum tummelt sich ein Skorpion. Noch nie zuvor haben wir einen gesehen, aber es bedarf keiner Erklärung. Wir dachten bisher, dass die viel kleiner sind. Ein zweiter Blick fällt auf unsere Flip Flops und im Eiltempo laufen wir an unser Auto und ziehen feste Schuhe an. Wir erinnern uns wieder an die Worte einer Südafrikanerin, sie warnte uns vor Schlangen und Skorpionen, die gäbe es dieses Jahr sehr häufig. Am nächsten Tag, im Fish River Canyon, erfahren wir, dass es sich um den großen, schwarzen, haarigen Dickschwanzskorpion handelt, der hier häufig vorkommt und einer der Giftigsten im südlichen Afrika ist.

Nach guten 4 Stunden haben wir die Off Road Tour durch den King’s Throne Canyon beendet und fahren zurück zum Camp. Am Abend erleben wir einen fantastischen Sonnenuntergang am Fluß, bei einem kühlen Bier machen wir einen Plan für Namibia.

Hinter Ai-Ais, im ‚Ai Ais-Richtersveld Transfrontier Park‘ erwartet uns der Fish River Canyon, Mutter Erde zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite. Der Canyon ist 161 km lang und 27 km breit, an der tiefsten Stelle misst er 550 m und nach dem Grand Canyon ist dieser der zweitgrößte auf der Erde. Wir stehen bei Hobas am Abgrund und schauen in die Tiefe. Am Abend kommen wir noch einmal zurück und im magischen Licht des Sonnenuntergangs ergreifen uns seltsame Gefühle, wir fühlen uns so unendlich klein. Der Canyon hat uns in seinen Bann gezogen, wir übernachten in der Nähe und kommen zum Sonnenaufgang noch einmal wieder. Wir setzen in der Morgendämmerung einen Kaffee auf, sitzen am Abgrund und wärmen unsere Hände an der heißen Blechtasse, während wir auf die ersten Sonnenstrahlen warten. Am Horizont wird es immer heller und dann endlich erblicken wir die ersten Sonnenstrahlen. Der Canyon scheint nun auch zum Leben zu erwachen, das dunkle grau färbt sich langsam rötlich, mit dem Fernglas können wir nun die Wanderer sehen, die in 5 Tagen den Canyon durchwandern. Zuvor hatten wir sie nur als Lichtpunkte wahrgenommen. Im Canyon muss es noch viel kälter sein als hier oben, aber wenigstens wärmt uns jetzt die Sonne ein wenig. Wir frühstücken noch und dann machen wir uns auf der C37 und C12, einer guten Sandpiste auf, in Richtung Norden. Nach einigen Kilometern kommen wir an das Canyon Roadhouse, einem Tipp von Jörg aus Cape Town, wir halten kurz und wollen tanken, leider ist die Pumpe ausgefallen und jetzt wird mit Kanistern getankt, wir verzichten darauf, schauen uns noch im Café und Shop um, kaufen einen Namibia Aufkleber für das Auto und fahren weiter bis Seeheim. Dort an der Tankstelle ist der Diesel leider aus und so fahren wir mit dem allerletzten Tropfen Diesel bis nach Aus.

Wir tanken voll und ich gehe in den Shop um zu bezahlen, die Dame hinter dem Tresen sitzt auf einem Stuhl und spricht mich auf Deutsch an. Es riecht streng nach Schnaps. Ich bezahle und frage nach dem Preis für Camping. Gegenüber hat die Tankstelle noch einen kleinen Platz zum Campieren. Der Preis ist ok, wir schlagen das Zelt auf und Annette kauft im Shop noch eine namibische SIM Karte, trotz alkoholbedingter Schwierigkeiten aktiviert die Verkäuferin die Karte und lädt noch ein Datenvolumen dazu. Sprechen tut sie allerdings nur das Nötigste. Wir gehen zu Fuß in das nahegelegene Hotel Bahnhof und essen eine Kleinigkeit zu Mittag. Wir treffen dort eine Reisegruppe, darunter sind einige Leuten aus dem Wiesental.

Am Abend essen wir nochmal im Bahnhof und zum Dessert gibt es Schwarzwälder Kirschtorte, einen Kaffee und ein Kirschwasser. Wir fühlen uns fast wie zu Hause.

Diesen Bahnhof hatten die Deutschen vor über 100 Jahren hier gebaut, als sie in nur 10 Monaten eine Bahnlinie vom Hafen Lüderitz, quer durch die Wüste Namib ins Landesinnere über Aus bis Keetmanshoop errichteten.

Lüderitz ist unser nächstes Ziel, davor besuchen wir aber noch die wilden Pferde von Garub, etwa 23 Kilometer westlich von Aus. Dort wurde eine ehemalige Pumpstation, an der Dampflokomotiven Wasser aufgefüllt haben, zu einem Brunnen mit Wasserloch umgebaut, an dem die wilden Pferde regelmäßig zur Tränke kommen.

Während des ersten Weltkrieges hatten südafrikanische Unionstruppen hier in der Nähe 10.000 Mann und 6.000 Pferde in einer Militärbasis untergebracht. Das Deutsche Reich hatte in Aus ein Flugzeug und einen Piloten stationiert. Dieser griff mit dem Flugzeug dreimal die Stellungen an und am 27. März 1915 entkamen bei diesem Angriff 1.700 Pferde und flohen in die Wüste. Einige wurden wieder eingefangen, aber seit diesem Zeitpunkt haben es diese Pferde geschafft, in dieser kargen Gegend in Freiheit zu überleben.

Um nach Lüderitz zu gelangen, müssen wir nun auch durch die Namib fahren, aber die B4 ist bestens ausgebaut und wir kommen gut voran. Schilder entlang der Straße warnen vor Sand und Wind.

Die Stadt ist nach dem Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz benannt, der 1883 dort Land kaufte und durch einen Meilenschwindel und weiteren Zukauf den Grundstein für die deutsche Kolonie Deutsch- Südwestafrika legte. Bei unserer Ankunft besuchen wir den Diaz Point, dort errichtete 1488 der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz ein Steinkreuz, als er hier, auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien, in der Bucht anlegte. Wir treffen hier auf Flamingos und machen einige Fotos. Im Diaz Coffee Shop essen wir Mittag, es gibt Kartoffelbrei und Rotkraut.

Gut gestärkt fahren wir ein kurzes Stück zurück in die Geisterstadt Kolmanskuppe. Hier fand ein Arbeiter der Eisenbahngesellschaft 1908 einen funkelnden Stein und übergab diesen dem deutschen Stationsvorsteher Adolf Strauch. Dieser hatte seine Arbeiter angewiesen, die Augen nach funkelnden Steinen offen zu halten, während sie die Gleise von Sand befreiten.  Eine nachfolgende Untersuchung ergab, dass es sich um einen Diamanten handelte und damit brach das Diamantenfieber aus, das bis ca. 1930 anhielt, die Abbaugebiete verlagerten sich danach weiter nach Süden und der Ort wurde aufgegeben und der Wüste überlassen.

Leider werden heute keine Führungen mehr angeboten und daher verschieben wir die Besichtigung auf den folgenden Vormittag.

Der Guide empfängt uns im ehemaligen Ballsaal. Als wir eintreten, fühlen wir uns wie in der Sport- und Festhalle in Wieslet. Es gibt eine Bühne und einen Balkon, Parkettboden und es sind die alten Turngeräte ausgestellt. Barren, Bock, Pferd und ein Sprungbrett.

Er erklärt uns, dass in Kolmanskuppe, trotz lebensfeindlichster Bedingungen bis zu 400 Menschen gewohnt, gelebt und gearbeitet haben. Es gibt kein Wasser und keine Pflanzen, nur Hitze, Sand und regelmäßige Sandstürme.

In Kolmanskuppe gab es alles, was man damals für Geld kaufen konnte, die Bewohner wurden jeden Tag mit einem Block Eis für den Kühlschrank und Trinkwasser beliefert. Der Ort hatte eine Straßenbahn, über die die Auslieferung lief. Das Eis stammte aus der Eisfabrik, den Strom lieferte das Elektrizitätswerk. Es gab eine vollautomatisierte Bäckerei, eine Metzgerei, Läden, ein Salzwasserschwimmbad, eine Kegelbahn und ein Krankenhaus, in dem das erste Röntgengerät  auf der Südhalbkugel installiert war. Die Wohnhäuser wurden solide aus Stein, nach deutschem Vorbild errichtet. Ein Mitarbeiter war für das Unterhaltungsprogramm der Bewohner zuständig, es gab Theater, Karneval und Sportveranstaltungen. Nur eine Brauerei gab es nicht, wohl aus Wassermangel musste man darauf verzichten.

Adolf Strauch erkundete die weitere Umgebung und im Idatal, dem sogenannten Märchental schickte er abends den Mitarbeiter Jakob zum Brennholz sammeln, damit dieser Kaffee machen konnte. Jakob kehrte zurück, die Hosentaschen und beide Hände voller Diamanten. Im Mondlicht sahen sie die Diamanten funkeln und Stauch murmelte „ein Märchen, ein Märchen“.

Zu dieser Zeit lagen die Diamanten an der Oberfläche in der Wüste. Es wurden in Kolmanskuppe nun Einheimische angeworben, die im Liegen Zentimeter für Zentimeter des Geländes nach Diamanten absuchten. Diese rund 800 Arbeiter waren in einem separaten Teil von Kolmanskuppe untergebracht und diese erhielten einen Zwei-Jahres-Vertrag. Kurz vor Ablauf des Vertrages kamen sie in eine Quarantäne und bekamen Rizinusöl. Ihr Geschäft mussten sie dann über einem Sieb verrichten, damit wollte man dem Diamantenschmuggel vorbeugen. Auch das Röntgengerät wurde im Kampf gegen den Diamantenschmuggel eingesetzt.

Zu dieser Zeit kamen 20 Prozent der Weltproduktion aus dieser Gegend, die Deutschen bauten ungefähr 1000 Kilogramm Diamanten ab und Kolmanskuppe galt als die reichste Stadt Afrikas.

Es ist beeindruckend, was die Menschen damals, unter diesen Umständen alles geschaffen hatten. Kolmanskuppe hatte 1911 einen elektrifizierten Anschluss an die Eisenbahnlinie Lüderitz – Aus, bis heute der Einzige, den es in Namibia jemals gab.

Auf dem Rückweg halten wir kurz an der neuen Eisenbahnlinie an, eine Wanderdüne blockiert die Gleise, die Bauarbeiten dauern nun schon seit mehr als 10 Jahren an und noch immer fährt kein Zug.

Wir biegen auf die D 707 ab, eine der schönsten Straßen in Namibia, wie wir mehrfach gehört haben. Die Sandpiste ist gut zu fahren und an der Koiimasis Ranch halten wir an und fragen nach Campingmöglichkeiten. Wir treffen hier Lilly und Eric, die mit einem Mietwagen unterwegs sind. Vor einigen Jahren sind sie 2 Jahre durch Australien gefahren. Wir grillen zusammen und tauschen Overlandergeschichten aus.

Der nächste Morgen beginnt mit viel Durst und leichtem Brummen hinter der Stirn, trotzdem fahren wir bis Sesriem, dem Ausgangsort für Sossusvlei.

Dort zelten wir, machen am Abend ein schönes Feuer und grillen. Wir gehen früh schlafen, denn am nächsten Morgen stehen wir um 04.45 Uhr auf und sind 30 Minuten später am Gate. Es ist ein Auto vor uns, ich ziehe noch kurze Hosen an und feste Schuhe, in der Zwischenzeit wird das Gate geöffnet und sofort zieht ein anderes Fahrzeug an uns vorbei. Weitere folgen, es besteht zwar ein Tempolimit, aber es bricht ein wahres Wettrennen aus. Nach 45 Kilometern erreichen wir die Düne 45, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, als wir dort anhalten. Der Großteil der Fahrzeuge fährt weiter zum Sossusvlei. Im Dunkeln können wir schon Menschen erkennen, die bereits den Aufstieg zur Düne in Angriff genommen haben und auch wir beginnen mit dem Aufstieg. Der Grat ist schmal und der Sand weich, es ist anstrengend aber wir kommen gut voran. Ich überhole alle, die noch vor mir sind und bin als erster oben, Annette kommt etwas später. Wir warten auf den Sonnenaufgang, in der Ferne können wir zwei Heißluftballons beobachten, die in der Morgendämmerung aufsteigen. Als die Sonne kommt, färben sich die Dünen dunkelrot, es ist wunderschön. Wir erfreuen uns an der Stille und steigen dann querfeldein von der Düne wieder ab, es macht einen Riesenspaß die Dünen herunter zu laufen, die Schuhe füllen sich komplett mit Sand. Unten wieder angekommen, bereiten wir unser Frühstück zu und unterhalten uns noch mit zwei Schweizern.

Danach fahren wir weiter zum Sossusvlei, was so viel wie ‚toter Fluss‘ bedeutet. Das letzte Stück ist nur für 4×4 Fahrzeuge freigegeben und nach einem kurzen Stück stecken schon die ersten Touristen im Sand fest. Vom Parkplatz aus ist es noch etwa ein Kilometer zu Fuß durch den Sand, dann kommt man an diese Salzpfanne. Wir gehen jedoch ein Stück außen herum und überqueren dann eine Düne und sehen den Sossusvlei zuerst von oben. Es sieht unwirklich weiß aus, übersät mit toten Bäumen. Als wir unten in der Pfanne ankommen, ist es unendlich heiß und wir haben Durst. Zurück beim Auto trinken wir ausgiebig und setzen uns in den Schatten. Wir essen was und ruhen uns aus. Nach dem Mittag sind alle Autos verschwunden und wir gehen mit der Drohne zurück zum Sossusvlei, machen einige Aufnahmen und machen uns dann wieder auf den Rückweg. Zurück in Sesriem besuchen wir noch den Sesriem Canyon und danach benötigen wir eine ausgiebige Dusche.

Namibia ist Staub, Staub und Staub. Aber einzigartig und wunderschön, wir sind gespannt auf das, was noch kommt.

 

Wild Coast statt Wildlife

In Bluff, nahe Durban haben wir das Beast wieder voll aufgerödelt, die Wasser- und Dieseltanks randvoll getankt, Vorräte eingekauft und die Gasflasche gefüllt. Alles ist auf 100%, auch unser Andrenalinspiegel. Die Heimreise beginnt, Transafrika auf der Ostroute. Vom Cap nach Cairo.

In Südafrika bewegen wir uns zunächst süd-westwärts entlang des Küstenabschnittes, den sie hier Wild Coast nennen. In Umtenweni übernachten wir zuerst in ‚The Spot‘, einem Backpackers, wo wir campen können. Carl und Jeanny, die beiden Eigentümer sind sehr freundlich und interessieren sich sehr für unser Auto und das Zelt. Jeanny will auch mit einem Dachzelt reisen, Carl ist noch etwas skeptisch und schaut das Dachzelt ganz genau an, er liebäugelt aber mehr mit dem Beast.

Hier haben wir ein ruhiges Plätzchen und es ist an der Zeit, unsere Silkroad Aufkleber am Auto mit etwas Afrikanischem zu ergänzen. In Chinatown von Singapur hatte ich in einem Autofolienladen nach einem Stück weißer Folie in DIN-A 4 Größe gefragt. Sie wollten mir auch ein Stück geben, aber der Minimumpreis war 50,00 Singapur Dollar und das war uns dann doch etwas zu viel. In einem andern Schreibwarenladen konnte ich dann ein Stück Folie (das normalerweise als Hintergrund in ihrem Fotostudio diente) kriegen, das mich nur 3 Singapur Dollar gekostet hatte.

Ich krame die Folie hervor und beschließe ein Zebramuster oberhalb der Frontscheibe anzubringen, als Vorlage dient das Frontcover des Lonely Planet von Afrika, den wir auch noch in Singapur gekauft hatten. Mit Nagellackentferner mache ich alles schön sauber und klebe mein Zebramuster auf, ich denke das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zufrieden machen wir eine Dose Castle Lager auf.

Am Abend laden uns Carl und Jeanny noch in die Bar ein und es gesellen sich John und Gaile dazu. Ein lustiges Pärchen aus Südafrika, die mit dem Motorrad einen Wochenendausflug machen.  Etwas abseits sitzt noch ein einsamer Mann, der an seinem Laptop arbeitet.

John trinkt Tea (Brandy mit Cola) und Gaile trinkt Wodka mit einem seltsamen Sirup. John ruft immer wieder zum Barkeeper „Hey Captain – another Tea“ und rasselt lautstark mit den Eiswürfeln im leeren Glas. Wir haben Schwierigkeiten seinen Slang zu verstehen, aber es ist ein lustiger Abend. Gaile liest später in den Händen von Annette allerlei Interessantes.

John bittet nun den abseits sitzenden Mann zu uns und widerwillig kommt er herüber. Es ist Georg aus Schwaben. Er widersetzt sich hartnäckig den Einladungen Johns etwas zu trinken. Aber er erzählt uns, dass er ein Stück Land gekauft hat und Makadamia Nüsse anbauen möchte. Im Moment ist er als IT Ingenieur in Baden-Württemberg tätig und wenn er in Rente geht, möchte er nach Südafrika übersiedeln. Seine Frau ist auch von hier.

Etwas später verschwinden John und Gaile heimlich in ihrer Hütte und wir gehen dann auch ins  Bett, für heute reicht es.

In diesem Teil Südafrikas fließen zahlreiche Flüsse in den indischen Ozean und es gibt in Küstennähe keine Brücken, daher müssen wir immer wieder zurück auf die Hauptstraße fahren und dann wieder an die Küste, es ist eine mühsame Fahrerei, aber unheimlich schön. Dieser Abschnitt trägt zu Recht den Namen Wild Coast und auf der Landkarte sind die Unglücksstellen markiert, wo zahlreiche Schiffe gestrandet oder havariert sind.

Port St. Johns ist ein etwas größerer Ort und ein lokales Zentrum, viele Menschen aus den umliegenden Dörfern kommen hierher, um einzukaufen. Mit Kleinbussen und Pick-Ups kommen sie und kaufen Unmengen an Mehl, Zucker, Reis, Salz, etc. ein, in den Geschäften werden überwiegen Säcke mit 10 – 50 kg Füllgewicht angeboten. Es ist überaus interessant das Treiben hier zu beobachten. Bei einem Schuhmacher lassen wir unseren Rucksack reparieren und zahlen umgerechnet 1 Euro. Später wissen wir, von wo bei uns der Ausdruck ‚geschuhmachert’ herkommt.

Wir campen etwas außerhalb der Stadt am Fluss Mzimvubu, von wo aus wir einen tollen Blick auf das Gate haben, so nennen die Einheimischen hier das Felstor zur Stadt. Die  Berge  Mount Thesiger und Sullivan erheben sich rechts und links des Flusses und man muss zwischen ihnen hindurch um in die Stadt zu gelangen.

Am späten Nachmittag kommen Hubschrauber, mit unserem Fernglas erkennen wir einen Helikopter der Army und einen kleineren Polizeihubschrauber. Immer wieder umkreisen sie den westlichen Gipfel und es steilen sich mehrere Personen in den Wald, am Fuße des Berges, ab. Einer der Helikopter landet nahe bei uns und wir erfahren, dass ein Auto vom Gipfel gestürzt ist, der Fahrer sei tot und jetzt soll das Fahrzeug und die Leiche geborgen werden.

Am darauffolgenden Tag wollten wir eigentlich auch da hoch und uns das ‚Blow Hole‘ und ‚the Gap‘ ansehen. (31°38‘53‘‘S 29°31‘35‘‘E)

Hierbei handelt es sich um eine kleine Plattform an der sturmgepeitschten Steilküste, die man über eine kleine Stahlleiter von oben erreichen kann. Die Leiter wurde von einem Fischer angebracht, der von dort aus Haie fing. In unserer Routenbeschreibung stand zum Schluß ‚it is dangerous territory‘, und so verzichten wir auf diesen Ausflug, zumal es in der Nacht noch geregnet hatte.

In Südafrika gibt es eine tolle Reisemöglichkeit, den Baz Bus. Dieser fährt von Johannesburg nach Capetown und man kann die Reise, so oft wie man möchte unterbrechen, der Bus fährt von Hostel zu Hostel und in einem Begleitbuch, das es überall kostenlos gibt, findet man tolle Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten.  In diesem Buch  wird der Strand von Mdumi, als Suferparadies und einer der schönsten (wieder einmal) Strände der Welt beschrieben.

Kurz vor dem Mdumi Backpackers stehen ein paar traditionell Rundhütten und ein Haus, in dem sich ein Laden befindet. Wir fahren weiter bis zum Beach und campen im Backpackers. Der Eigentümer reist selbst leidenschaftlich und ist mehrmals mit dem Motorrad durch Afrika gefahren, er schwärmt total von den Pyramiden im Sudan und von Äthiopien. Bei uns sitzt Cecilia aus Mossel Bay, sie ist 24 und mit ihrem Corsa Bakkie an der Wild Coast unterwegs. Auch sie reist leidenschaftlich gerne und ist von unserer Reise sehr beeindruckt. Sie hat eine rauhe und laute Stimme, ist auf einer Farm aufgewachsen und mit ihren Ausrufen, wie „shocks“  und „JAAAA“ amüsiert sie uns immer wieder. Sie spricht neben Englisch und Afrikaans auch Zulu, das sie auf der Farm gelernt hat und angelt gerne und oft, d. h. bei ihr aber, dass sie 3 m Haie an Land zieht. „Shocks“, sagen nun wir.

Im Mdumi Backpackers treffen wir noch Lesslie und seine Frau Sharon, älter als wir, aber immer noch coole Sufertypen. Sie kommen aus Südafrika und geben uns viele Tipps für Namibia und Zambia. Sharon schreibt uns eine schöne Liste. Ihre Tochter ist auch dabei, mit ihrem kanadischen Freund und dessen Bruder. Die beiden Kanadier können es kaum fassen, dass sie hier an diesem tollen Surfspot nur eine Handvoll Surfer sind. Der Ältere meint, in 20 Jahren wird es sich wie eine Legende anhören, wenn er erzählt, damals in Mdumi waren wir noch zu dritt im Wasser.

In der Nacht muss ich raus, ein gewaltiger Sturm ist aufgezogen und der Wind rüttelt mit aller Kraft  am Zelt. Ich schlage im Dunkeln die Sturmanker in den Boden, der Regen peitscht mir ins Gesicht, sodass ich fast nichts sehen kann. Das Licht der Stirnlampe verliert sich im Nirgendwo. Ich hole die dicken Schnüre, die ich in Griechenland gekauft hatte, aus der Alukiste hervor und spanne alles ab so gut es geht. In der Dunkelheit kann ich erkennen, dass die Kanadier auch aktiv sind. Sie bauen ihr Zelt ganz ab und verziehen sich auf die Couch im Aufenthaltsraum.

Am nächsten Morgen hat sich alles verzogen, der Himmel strahlt wieder tief blau und wir fahren weiter. Im Laden bei den Rundhütten kaufen wir noch etwas Wasser ein. Als wir in den alten Laden eintreten, können wir kaum etwas sehen, so dunkel ist es. Aber hinter dem Tresen erkennen wir dann eine ältere Dame. Sie fragt uns, von wo wir kommen und als sie hört, dass wir aus Deutschland sind, sagt sie uns, dass sie Hecht heißt. Ihre Vorfahren kamen schon im 17. Jahrhundert nach Südafrika und ihre Söhne heißen Ulrich und Heinrich. Deutsch kann sie aber nicht mehr sprechen. Beim heraus gehen wundern wir uns, wohin es die Menschen überall hin verschlagen kann.

Wir fahren weiter zum ‚Hole in the Wall‘ einem must see, wenn man an der Wild Coast unterwegs ist. Dort treffen wir auch Cecilia wieder. Die Locals bieten hier ihre Dienste als Parkwächter an. Sie passen auf die Autos auf, während man sich hinunter an den Strand begibt. Wir fragen Cia, was sie denn den Leuten so gibt und ihre Antwort mit ihrer tiefen Stimmen ist eindeutig. „I give them nothing! Maybe an Orange.“ Gut, wir wissen Bescheid.

Immer entlang der Küste, bewegen wir uns in Richtung Kapstadt. In der Coffee Bay campen wir im White Clay, genießen am Abend im Restaurant eine Fischplatte und eine Flasche guten Rotwein mit Aussicht auf den indischen Ozean.

Wir fahren zurück auf die N2 und weiter in das kleine Dorf Qunu. Dort ging Nelson Mandela zur Schule, hier lebte er nach seiner politischen Karriere und hier liegt er auch begraben. Im Dorf gibt es ein kleines Museum und hier erfahren wir, dass er eigentlich mit Vornamen Rolihlahla hieß. Am ersten Schultag fragte ihn sein Lehrer nach seinem Namen und als der kleine Erstklässler zweimal seinen komplizierten Vornamen wiederholte, meinte sein Lehrer:  “Ok, ab heute heißt du Nelson.“

Bevor wir East London erreichen, überqueren wir den Kei River, der hier in den Ozean mündet mit einer einfachen Ponton Fähre. Wir befinden uns nun im Land der Xhosa und der Fährmann begrüßt uns mit ‚molo kundschani‘, die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, aber er ist sehr gesprächig und fragt viel. Als wir die Fähre verlassen, fragt er uns noch, ob wir Adolf Hitler kennen würden. „A very bad guy, hä?“, wir nicken und verabschieden uns.

In der Morgan Bay suchen wir einen Übernachtungsplatz und parken das Auto. Als wir zurück kommen, steht ein Pärchen davor und der Mann fragt uns, ob wir aus Lübeck seien. „Nein, LÖ steht für Lörrach“, klären wir auf, das liegt im Süden von Deutschland. „Ah!“, meint er „bei Nürnberg.“ Ja, gar nicht so schlecht für einen Südafrikaner. Etwas später werden wir gefragt, ob wir aus Lesotho sind. „Nein, wir sind aus Deutschland“, geben wir zurück. Die Vorfahren des Mannes auch, er heißt mit Nachnamen Krause und stellt uns erfreut seiner Frau vor.

Das Wetter verschlechtert sich nun ständig. In der Nacht ist es kalt und es gibt immer wieder mal Regen. Auf dem Weg nach Port Elisabeth ist ein schwerer Unfall auf dem Highway, die drei Toten liegen offen auf dem grasigen Trennstreifen der Fahrbahnen. Autofahren ist auch hier gefährlich, der Pick-Up liegt total demoliert im Feld.

In Port Elisabeth bleiben wir zwei Tage im Valley Guesthouse. Das ältere Ehepaar ist sehr nett, das Frühstück erstklassig und das Internet funktioniert auch gut. Wir müssen unsere Krankenversicherung wieder verlängern, das stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Von hier aus kümmern wir uns auch schon um die Schiffspassage von Afrika nach Italien und um die Cross Egypt Challenge, an der wir teilnehmen möchten.

Bei der täglichen Abfahrtskontrolle stelle ich eine Ölleckage im Bereich der Servolenkung fest, der Ölstand der Servolenkung ist auch auf Minimum, daher fahren wir zu Maritime Motors und lassen das überprüfen. Der Meister findet an einem kleinen Schlauch die Undichtigkeit und meint, dass wir nach Kapstadt fahren sollen. Dort ist das Teil verfügbar und er füllt das Öl nochmal auf, bis Kapstadt zu fahren ist kein Problem. Bevor wir P. E. verlassen kaufen wir noch 2 kg frisch gerösteten afrikanischen Kaffee bei Mastertons ein. Ein Kilogramm ist Kaffee aus Malawi, das andere Kilogramm aus Kamerun. Mastertons ist ein kleines Geschäft an einer Straßenecke, spezialisiert auf Kaffee aus allen Teilen der Welt, der frisch geröstet wird. Der Duft im Laden ist unbeschreiblich.

Von der Garden Route sehen wir aufgrund des Wetters leider nicht viel. An der Storm River Brigde lassen wir auch das Bungee Jumping von der welthöchsten Brücke ausfallen. Unser nächstes Ziel ist das Cap Agulhas, der südlichste Punkt von Afrika, wo theoretisch der indische und der atlantische Ozean zusammentreffen. Vor der Steintafel machen wir ein Erinnerungsfoto und von nun an heißt die Richtung Nord.

Nach Stellenbosch erreichen wir Stellenbosch Farms, wo wir bei Duncan auf dem Platz schlafen. Er betriebt den Overlander Campingplatz African Overlanders (33°51’57,2‘‘S; 18°44’44,9‘‘E), bietet auch Abstell- und Verschiffungsmöglichkeiten an.

Hier treffen wir noch Lutz aus Gersthofen, er kommt gerade von Africa Burn zurück und ist noch total gut drauf. Er hat sich in Namiba einen neuen Toyota gekauft und baut ihn hier auf. Er ist schon seit langer Zeit auf Reisen, kennt die Orangetrotter gut, gibt sich sonst aber ein bisschen geheimnisvoll. Auch Tobias aus Krefeld ist hier, er wartet auf die Ankunft seines Suzuki und will dann über Afrika und die arabische Halbinsel zurück nach Deutschland fahren. Er hat sehr viel elektronisches Equipment dabei, Fotoapparate, Video, Mikrofone, Computer und eine Drohne. Der 24-jährige produziert eine deutsche interaktive Youtube Sendung.

Via E-Mail hatten wir mit Mercedes-Benz in Capetown Kontakt aufgenommen und Jörg Krüger, ein Namibier, der sehr gut deutsch spricht, hat bereits alle Teile gerichtet und erwartet uns morgens um 07.00 Uhr in der Werkstatt. Die Arbeiten werden flott erledigt, das Auto und der Motor gewaschen und am Nachmittag sind wir zurück auf der Straße. Jörg hat uns noch einige Adressen in Namibia aufgeschrieben und uns einige interessante Streckenbeschreibungen mitgegeben.

Nun verlassen wir Kapstadt aber endgültig und fahren der Westcoast entlang, besuchen unterwegs das Riebeek Valley, wo gerade das jährliche Olivenfestival stattfindet. Es herrscht der Ausnahmezustand, es ist alles ausgebucht.

An der Straße parkt ein Toyota mit Campinganhänger und einer Schweizer Fahne. Das Fahrzeug hat eine südafrikanische Nummer, aber Edy ist Schweizer und Brigitte Österreicherin und beide sind zusammen seit 2005 unterwegs. Wir plaudern eine Weile miteinander, fahren dann aber weiter, da es hier zu voll ist.

In unserem Südafrika Guidebook lesen wir von der Swartland Weinrevolution und die wirklichen internationalen Topweine kommen nicht aus Stellenbosch, sondern aus der Region Swartland. Lokale Winzer hatten sich wieder auf ihre Stärken und auf traditionelle Rebsorten konzentriert und 2010 fanden sie eine erste Erwähnung im Time Magazin. Im Folgenden wurde das Gut der Familie Sadie ‚winery of the year‘ von Platter und ein Wein der Mullineux Familie erreichte 96 von 100 Punkten des amerikanischen Weinkritikers Robert Parker. Aber auch bereits bekannte Namen von Weingütern wie ‚Allesverloren‘ und ‚Kloovenburg‘ haben ihre Reben im Swartland. Im gemeinsamen Shop der Winzer ‚The Wine Kollective‘ kaufen wir noch einige Flaschen Wein und Oliven ein. Gut gerüstet geht es nun in Richtung Namibia.

In Springbok übernachten wir und treffen dort auf dem Zeltplatz zwei südafrikanische Camperpaare, die mit ihren T3 VW Bussen unterwegs sind. Sind sind total fasziniert von unserer Reise und einer meint, solche Leute wie wir sieht er immer nur im Fernsehen und jetzt trifft er uns hier, er kann es kaum fassen.

Am Morgen kaufen wir in der Stadt nochmal richtig ein, Rinus & Helga rieten uns, lieber in Südafrika die Vorräte aufzufüllen. Vor dem Spar-Supermarkt in Springbok treffen wir einen Mann, der komplett in Leinen gekleidet ist. Allerdings stammt das Leinen von alten Kaffeesäcken und ich frage ihn, ob er ein Designer ist. Er verneint lachend und erzählt mir, dass er ein Heiler ist. Ich darf ein paar Fotos machen, dafür gebe ich ihm meinen Kugelschreiber, den braucht er, um seinen Leuten die Rezepte aufzuschreiben. Er verkauft die Zutaten dafür. Außerdem gebe ich ihm noch eine paar Pflegeprodukte aus diversen Guesthäusern.

Nach 6 Wochen verlassen wir Südafrika, ohne Wildlife gesehen zu haben, bei unserer Ankunft in Durban erlebten wir eine Demonstration gegen das Töten von Löwen. Wir erfuhren, dass pro Tag drei(!) Löwen getötet werden. Es ist teilweise bei bizarres Geschäft, auf privaten Gamefarmen werden die Löwen aufgezogen, teilweise von europäischen Freiwilligen, die noch Geld dafür bezahlen, dass sie sich um Löwenbabies kümmern dürfen. Diese Gamefarmen bieten Safaris an, wo man die Big Five, also Nashorn, Löwe, Elefant, Büffel und Leopard sehen kann, dafür zahlen die Touristen viel Geld und später kommen die Jäger und zahlen noch mehr Geld um das Großwild zu jagen.

Wir beschlossen daher, unsere Wildlife Erlebnisse auf die noch kommenden Nationalparks zu verschieben.

Bis Ägypten ist es noch ein weiter Weg. Wir freuen uns auf das Kommende.

erstes Video aus Afrika – absolut cool, wie wir finden 😉

 

 

 

ZIM oder ZAM …

… das ist hier die Frage!

Wir erreichen Land Nr. 33 und Nr. 34 auf dieser Reise.

wir treffen bekannte Gesichter in Namibia

Nachdem wir in Aus im Hotel & Restaurant Bahnhof die Familie Wagner aus Steinen getroffen hatten, verabredeten wir uns mit den Blessings aus Schopfheim und trafen sie im Norden Namibias. In der Opuwo Country Lodge aßen wir gemeinsam zu Abend und am nächsten Morgen trafen wir sie erneut vor dem örtlichen Supermarkt.

In der Reisegruppe von Franz Hoch sind noch viele andere bekannte Gesichter aus Zell und Schopfheim. Es ist immer etwas Besonderes Bekannte aus der Heimat in der Ferne zu treffen.

Wandern und Wein in Stellenbosch

Südafrika ist berühmt für seine ausgezeichneten Weine und die wohl bekannteste Region für guten Wein ist Stellenbosch. Wir erreichen das kleine, herausgeputzte Städtchen Ende April und bleiben für einige Tage auf einem Campingplatz. Dort erhalten wir eine Übersichtskarte mit allen Weingütern und am Sonntag, dem 01. Mai ist auf einigen Weingütern allerhand los. Wir beschließen, wie es sich für den ersten Mai gehört, eine Maiwanderung zu unternehmen und basteln uns eine Route zusammen. Von unserer Freundin Claudia aus Buggingen, liiert mit einem erfahrenen Küfer und Weinexperten, der auch viel Erfahrung mit südafrikanischen Weinen hat, erhielten wir mehrere Empfehlungen.

Wir starten früh am Morgen und das erste Weingut, das wir besuchen ist Blauuwklippen, das liegt gerade am Weg und jeden Sonntag findet dort der ‚familiy market‘, eine Mischung zwischen Volksfest und Flohmarkt statt. Heute ist auch noch Volkswagen treffen, es stehen viele schön hergerichtete VW Käfer und VW Busse auf dem Platz. Ein T1, mit viel Herzblut restauriert ist der Star. Der Besitzer ist sehr stolz auf seinen Oldtimer und beantwortet gerne alle Fragen.

Es gibt Flammkuchen, Pizza und Bier. Wir sind etwas verduzt, in einer badischen Straußi gibt es kein Bier. Auf dem Gut ist die Hölle los, sogar eine Hüpfburg ist aufgebaut, wir ziehen uns ins Bistro zurück, das ganz am Ende liegt, dort ist es deutlich ruhiger und dort gibt es auch Wein. Wir bestellen eine ‚Ploughmans Platter‘ und versuchen einen weißen und roten Zinfandel, sowie den Shiraz.

Gut gestärkt gehen wir weiter, die Strecken ziehen sich hin, die Weingüter sind riesengroß. Den nächsten Stopp legen wir im Weingut der Dorniers ein. Die Familie der deutschen Flugzeugpioniere besitzt hier ein schmuckes Weingut. Es sind alle Plätze belegt und etwas abseits erhalten wir einen kleinen Tisch, wo wir den Cocoa Hill Chenin Blanc und den Donatus White Blend testen. Gegen 16 Uhr können wir den Platz wechseln und bestellen eine Tapas Platte für 2 Personen, incl. 1 Flasche Cocoa Hill Chenin Blanc für umgerechnet zusammen nur 17 Euro.

Es wird bereits dunkel und wir machen uns auf den Heimweg, die 7 Kilometer ziehen sich noch ganz schön in die Länge und als wir wieder an unserem Schlafplatz ankommen, ist es stockdunkel.

Erschöpft fallen wir in unser Bett und schlafen tief und fest bis zum nächsten Morgen.

Die Wanderung war wunderschön.